Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Leviratsehe und die Ceremonie des Schuhausziehens
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
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6« VII. Ueber die Leviratsehe die Rabbinen gesagt haben. Wenn «S aber schon an und für sich einer der ersten und wichtigsten hermeneutischen Grundsätze ist, di« Worte der heiligen Schrift im strengsten Sinne und nach ihrer natürlichsten, einfachsten Bedeutung aufzufassen, so muß an diesem Grundsätze um so mehr da festgehalten werden, wo von Gesetzen die Rede ist, welche tief in das Leben eingreifen, und wo es sich um das zeitliche und ewige Heil derjenigen handelt, denen die Gesetze ertheilt werden. Hier kann man vor allem erwarten, daß der Gesetzgeber sich deutlich und bestimmt ausgcdrückt haben werde, und hier gilt daher auch ganz vorzüglich die Regel, daß seine Worte nicht anders genommen werden dürfen, als wie er sie ausgesprochen hat, und wie sie klar und deutlich vor uns liegen. DaS Gesetz lautet also: „Wenn Brüder beisammen wohnen, und es stirbt einer „von ihnen und hat keinen Sohn: so soll die Frau des Ncr- „stvrbenen nicht außer dem Hause einen fremden Mann neh. „men; ihr Schwager soll über sie kommen und sie sich zum „Weibe nehmen und mit ihr die Schwagerehe vollziehen. „Der Erstgeborne aber, den sie gebiert, soll auf den Namen „des verstorbenen Bruders kommen, damit der Name desscl. „ben nicht auslbsche in Israel. Wenn aber der Mann seine „Schwägerin nicht nehmen will, so mag seine Schwägerin „in daS Thor gehen zu den Aeltestrn und sagen: Mein „Schwager weigert sich, seines Bruders Name» in Israel zu „erhalten, er will nicht die Schwagerehe mit mir vollziehen. „Da sollen die Aeltesten seiner Stadt ihn herbeirnfen und „ihm znreden; bleibt er aber dabei stehen und spricht: Ich „will sie nicht nehmen. Dann trete seine Schwägerin zu „ihm, vor den Augen der Aeltesten, ziehe ihm seinen Schuh „vom Fuße, und spucke ihm ins Angesicht, und hebe an und „spreche: So geschieht dem, der das Haus seines Bruders „nicht bauen will. Sein Name aber in Israel sei das Haus „des Barfüßers."