Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1
- Article
- Noch ein Wort über die jüdischen Trauergebräuche
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 3)
- Language
- German
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VI. Noch ein Wort si; eure Kleider! (Joel 2, 15)." — Ja, halten wir «ns an die Worte deS Propheten, und wenn das Her.; deü Trauernden schon zerrisse» genug ist, so schneidet nicht »och einmal durch sein Kleid in sein innerstes Gefühl hinein! ES war wohl früher Gewohnheit bei den Vorfahren, das Kleid in traurigen Fällen zu zerreisten, aber nicht nach vorgeschriebenen Normen hineinznschneiden oder zu sägen; es war bei ihnen, wie Hr. Kohn richtig angiebt,'Ansbruch, Entladung des Schmerzes; n»d wie der Thalmudist Samuel (Mocd Kalo» ,'>) sagt 1:^12 ^2 «jedes Jerreiste», was nicht im Augenblicke des brennenden Schmerzes geschieht, das ist gar kein Ierreisten mehr," also ist es in der That bei uns nichts als eine langsame, kalte, bedächtige Eeremonie, nimmer die Gewohnheit der Vater. Wahrhaftig, jene Gewohnheit hat sich langst selbst ansgehoben, wir branchcn sie gar nicht mehr ausznhebe». Dasselbe wollen wir auch bei dem anderen Gebrauche» dem Wachsen lassen des Bartes, naher darthn»; wir wollen nämlich zeigen, das; bei der Anwendung der hier einschlägigen Schristverse der Thalmnd nur die Begründung späterer Sitte durch Deutung, nicht die Einschärfnng früherer durch wahrheitsgcmäste Erklärung deö Schriftpcrseü im Auge gehabt habe» konnte. Wir werde» daher zuerst unsere Ansicht von dem Tranerhabitus in der biblischen Vorzeit ausstelle», dies« mit der des Thalmuds vergleichen, sodann die Ansicht des Thalmuds mit unfern Gegengründen beleuchten, und daraus das Resumc für unsere aufgestellte Meinung ziehen. Nach unserer Ansicht nämlich, und wie wir eS später durch die Schrift motiviren werde», war der Habitus eines Tranerhabenden aus der biblischen Zeit solgendermasten: seine Kleider zerrissen, seine Füste nackt, der Kopf tlos» die Haare frei fl irgend, der Bart verhüllt. Ans dies« Weise war er ein treues Bild der