Mannheim
Compact Memory

Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1839-01-01 · Heft 1 · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1839
Issue
Heft 1
Article
Der Formglaube in seinem Unwerthe und in seinen Folgen
Date
1839-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2929020-2929036-2929038-2931389--2050-2931438
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

IS!. Der Formglaube in seinem Unwerthe zu unterwerfen haben. Göttliche und religiöse Anordnungen aber können nur der Art sein, daß wir zu einer freien Aneignung der in ihnen liegenden Belehrungen fähig sind, oder sie sind Mittel zu unserer Vervollkommnung, deren Zweckmäßigkeit uns nicht unerkennbar ist. Sobald aber diese Mittel die Beziehung auf das, was sie vermitteln sollen, aufgeben, selbstständig werden und die Geltung von Pflichten an sich ansprechen wollen, büßen sie ihren ganzen Werth ein. Nun wird ihre Ausübung ein nacktes Thun ohne sittlichen Anhaltpunct, wirkt schädlich durch die Abschwächung der sittlichen Anregung und erzeugt dann zuletzt den Aberglauben. Diese Mittel zur Belebung unseres religiös-sittlichen Gefühles kennt das Judenihum unter dem Namen der religiösen Ceremonien, die bald zur Erinnerung an Ereignisse der Vergangenheit, und hiedurch entweder an Gottes väterlich und weise waltende Vorsehung oder zur Demüthigunq, bald zur Stärkung unseres Wohlwollens, bald zur Bewahrung oder Wiedergewinnung unserer geistigen Reinheit dienen sollen. Ihre Geltung kann demnach nur darin bestehn, daß sie in der That belebenden Gehalt in sich tragen, was wiederum nicht anders möglich ist, als wenn sie den localen Verhältnissen entsprechen und der Bildungsstufe angemessen sind. Sobald dieselben jedoch die Kraft, ihre Bestimmung zu erfüllen, nicht mehr besitzen und dennoch erhalten werden sollen und nun noch sogar in höherem Maße Anspruch auf Beachtung machen, indem sie jetzt nicht mehr Mittel, was sie in der That nicht mehr sind, sondern Selbstzweck zu sein vorgeben, so ist ihr Werth gänzlich dahin, und an die Stelle dcS , freien sittlichen Handelns ist die nackte Formenübung eingetreten, und mit ihr gründet sich der Aberglaube seinen Thron. ES kann hier nicht unsere Absicht sein, umständlich zu erörtern, wie diese Ansichten, wie sie hier entwickelt sind, vollständig in dem reinen prophetischenJudenthume begründet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.