Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Formglaube in seinem Unwerthe und in seinen Folgen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 I. Der FormglanLe in seinem Unwerthe weil eben Eines das Andere stört und aufhebt. — Jedoch könnte vielleicht der Gehorsam auö der Erkenntniß unserer Unmündigkeit fließen, weßhalb wir uns von dem väterlich und weise waltenden Gotte leiten lassen müßten. Man könnte zur Bestärkung in dieser Meinung das Beispiel von unserer Folgsamkeit gegen die Vorschriften des Arztes nehmen. Wir befolgen bei gestörter LebenSthätigkeit dessen Anordnungen, deren Heilsamkeit wir nicht einsehen, um dieselbe wieder in gehörigen Gang zu bringen, ja wir richten uns nach ihnen sogar vorsorgcnd, damit unö die Gesundheit erhalten werde, und eö ist dieses Verfahren nicht bloS ein kluges, sondern ein pflichtmäßiges um unserer Selbsterhaltung willen, sobald wir nur mit Recht Zutrauen in die Kenntnisse des ArzteS setzen dürfen. Auf dieselbe Weise, möchte man sagen, haben wir uns die Anordnungen Gottes zu denken, als Mittel, uns in geistiger Gesundheit zu erhalten, und es ist dies eben Pflicht, da wir die Gewißheit haben, Gott wisse hiezu die Mittel am besten zu wählen; eS wäre somit die Absicht göttlicher Gebote von Seiten Gottes, die wir auch nicht verstehen, gerechtfertigt und die Pflicht unseres .Gehorsams gegen dieselben dargethan. — Dagegen ist aber zu bemerken, daß ein eigentliches Bewußtsein unserer Unmündigkeit durchaus nicht Statt finden kann; der wirklich Unmündige wird niemals davon wissen, daß er es ist, und eine aus diesem Zustande resultirende Pflicht ist daher ein Unding. Selbst in jenem, wie ich sagen möchte, Mitlelzn« stände zwischen Mündigkeit und Unmündigkeit, wo der Me»sch eine nicht genügende Einsicht besitzt, um sei» Thun und lassen vollständig zu regeln, gibt eö, wie schon gesagt, nicht die Pflicht eines absoluten Gehorsams gegen den Ausspruch eines Einsichtigern., sondern die, sich zu dessen Einsicht zu erheben, d. h. eben mündig zu werden. Denkt man sich nun den Menschen, Gort gegenüber, als ganz unmündig, so kennt er auch keine Pflicht; denkt man sich ihn als halb