Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Formglaube in seinem Unwerthe und in seinen Folgen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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und ln seinen Folgen. 7 un!' darf er nicht kennen, sobald von seinem Thun und Lassen die Rede ist. Hier entsteht nun die Frage, waS unter dem Gehovsam gegen Gott zu verstehn sei. Soll darunter die Pflicht verstanden werden, den Befehlen unseres VaterS nachzukommen, wenn auch der Inhalt derselben nicht in nnserm sittlichen Bewußtsein sich vorfindet oder dort an'stnget, so müßte dazu antreiben, den geliebten und verehrten Vater nicht in Unwillen oder Verdruß zu versetzen über unser, seinem Willen nicht entsprechendes Verfallen. Diese Pflicht der Nachgiebigkeit gegen ein Wesen, dem wir keine Schwäche beimessen dürfen, ist ein Widerspruch in sich; der heilige Gott kann unö belehren wollen, keineswegs aber verlangen, daß wir, um ihn nicht zu kränken, seinem Worte gehorsa« mcu. — Sotten wir dies aber als Schuldigkeit gegen den Gesetzgeber im Reiche der Menschheit, so müßten wir vor« auelietzen, daß das Ansehn Gottes geschwächt würde, wenn wir seinem Willen nicht Folge leisteten, was wiederum eine Verkleinerung Gottes wäre, dessen Anerkennung nicht von den Handlungen Einzelner abhänat. Ein Gehorsam aber gegen den Allweisen könnte nur insofern Statt finden, als wir uns angctrieben fühlen müßten, sein« Belehrungen sorgsam zu prüfen und uns zu den In ihnen liegende» Wahrheile» zu erheben. Sobald die Möglichkeit einer solchen Aneignung nicht in unserem Bereiche liegt — und blvs in diesem Falle kann ja die Rede von einem absoluten Gehorsam sein —, wäre eS lediglich ein Act der Klugheit, dem Weisen, der besser für unser Wohl zu sorgen weiß, als wir seilst, zu folgen; zu diesem Behuf« aber kann der Heilige, welcher uns durch unsere ganze Natur zu freier sittlicher Entnickelung und Kräftigung bestimmt hat, unmöglich Befehl, geben. Die Schärfung unseres sittlichen Bewußtseins von der einen Seite verlangen, und von der andern ihm Stillschweigen gebieten, ist ein GottiS unwürdiges Beginnen,