Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Formglaube in seinem Unwerthe und in seinen Folgen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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s I. Der Formglaube in seinem Unwerthe Gegentheile wird eö unsere Pflicht ihnen cntgegcnznhandeln, sobald, wir ihre Ueberzengungen nicht theilen können. Der wahre Weise wird auch niemals verlangen, das; wir uns zu seinen Ansichten bekennen, weil er sie ausgesprochen» und daß wir die von ihm als recht empfohlenen .Handlungen ansüben sollen, weil er uns dieselben empfohlen, also aus Gehorsam gegen ihn; er wird vielmehr das Verhalten nach einer freien Ueberzeugung, wenn ihm diese auch entgegentritt, nur billigen. ES ist nur eine gewisse Art von Klugheit, 'wenn wir dem Nathe Höherstehender Folge leisten — eine Klugheit, die in gewissen Füllen wohl angebracht sein mag, aus der wir nnö aber nothwendig zur freien Aneignung der Motive erheben müssen, wenn sie zu unserer sittlichen Würdigkeit etwas hinznfügen soll. Man tausche sich hier nicht, diese Unterordnung seiner selbst unter die Ansichten Anderer als Bescheidenheit zu bezeichnen. Die wahre Bescheidenheit besteht in dem Bewußtsein, daß wir nicht mit übermüthiger Sicherheit die Wahrheit unserer Ansichten behaupten dürfen, darin, daß wir dieselben immer wieder in Frage zu stellen, darüber weiter zu forschen, besonders die abweichenden Meinungen beachtungswerther Männer mit ihnen zusammenzuhalten und ohne Dorurtheil zu prüfen niemals aushören; nicht aber in der unwürdigen Unterordnung unserer Ueberzengungen unter diejenigen Anderer, ober in der stillschweigenden Annahme von diesen, ohne uns eine selbstständige Meinung zu bilden. Bei einem rein wissenschaftlichen Gegenstände etwa, welcher außer unserm Gesichtskreise liegt, und zu welchem uns die Mittel der Untersuchung ferne sind, mag eine vorläufige Beruhigung bei den Ansichten irgend eines Mannes, dem wir besonderes Zutrauen schenken, gelten; sobald aber die Ansicht auf unser Leben und unfern Wandel einen Einfluß zu äußern vorhat, da muß die eigene Einsicht hinzutreten. Eine Pflicht des Gehorsams gegen weisere Männer kennt daher der Mensch nicht