Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1839
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Formglaube in seinem Unwerthe und in seinen Folgen
- Date
- 1839-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Ä l. Der Formglaubs in seinem Uuwerthe Gebote mit doppelter Freud« fügt, sondern vielmehr den absoluten Gehorsam, wo gerade nur, um dem Willen eines Andern zu genügen, daö Gebot erfüllt wird. Die Handlung an sich findet da keinen Anklang in unserm Innern, sie ist unö rein von außen, einer fremden Persönlichkeit, gegeben, und nur um die Achtung gegen dieselbe nicht zu verletzen, wird sie uns zu einer pflichtmäßigen. Betrachten wir zuerst den in diesem Sinne den Eltern schuldigen Gehorsam! Bei Unmündigen kann natürlich überhaupt nicht von Pflichten die Rede sein; sie werden angchalten, bevormundet, um zur sittlichen Erkenntniß zu gelangen. Bei mündig Gewordenen hingegen gibt eö keine absolute Pflicht kindlichen Gehorsams, wo der Mensch, mit Aufgebung des eigenen sittlichen Bewußtseins, einem fremden, dem elterlichen, folgen sollte, ja sü wäre ein solcher sogar in Fällen, wo Widerstreit zwischen der eigenen Ueberzeugung und der elterlichen entstünde, simd« lich. " 2" Fällen, wo die Eltern Wünsche an uns steilen, welche ihr eigenes Wohl betreffen, fallt der Gehorsam mit der ihnen schuldigen Liebe und Verehrung zusammen, und die Handlungen sind an sich schon Ergüsse unseres Wohlwollens und haben als solche ihre Wurzel in uns. Nur in Fällen, wo kein Widerstreit zwischen ihren Forderungen und denen unseres sittlichen Menschen ist, und ihre Wünsche keine persönliche Beziehung auf sie haben, nur da kann ein Gehorsam Statt finden, der vermittelt ist durch unser Wohlwollen, aber nicht mit demselben einerlei. Die Handlung an sich hat da für uns keinen Werth, von selbst wären wir Nicht zu derselben gekommen, sie findet daher auch keinen Anklang in uns, sondern sie wird unS aufgegeben, wenn auch vielleicht nicht gerade ausdrücklich, und nur von uns nach der Denkungsart unserer Eltern errathen. Der Wunsch, ° Der Lhalmud drückt dies nach selner Welse gleichfalls auL Zebamoth 6«.