Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 3
- Article
- Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 478 (sequence 3)
- Language
- German
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478 Nachrichten. glaube ich wohl, daß Ihre Verbindungen mit jenem Lande und dessen Rabbinern sehr lose sein mögen, aber Herr Klausrabbiner Wagner aus Mannheim gehört-Baden an. Interessant ist, daß der Berichterstatter über die Petition der Juden um völlige bürgerliche Gleichstellung in der zweiten badischen Kammer, Herr Sander, der so begierig jeden Vorwurf gegen die Juden aufsucht, gleichfalls den Moment aufgriff und sich tadelnd darüber aussprach, daß die Synode zu Wiesbaden, wie er sich ausdrückte, von keinem badischen Rabbiner besucht worden sei, worauf jedoch Herr Ministerialrath Bekk, Präsident des israelitischen OLerraths, erwiederte: von Einem. — Herr v. Philippson behauptet sogar, auch aus Preußen sei niemand da gewesen; hoffentlich wird er jedoch Hrn. Rabbiner Friedländer aus Brylon, diesen würdigen achtzigjährigen Greis, als seinen Landsmann anerkennen. Soll ich aufrichtig bekennen, welcher Art meine Erwartungen waren, so gestehe ich, daß sie, in Betracht der Umstände, gerade nicht sanguinisch waren, aber dennoch erwartete und erwarte ich ein würdiges und entschiedenes Auftreten der Rabbiner. Ich weiß wohl, daß es nicht an der Zeit ist, ein System des jüdischen Glaubens und Lhuns — letzteres ist das Wesentlichere — aufzustellen; noch sind die Meinungen zu sehr geschieden, und durch einen starken Schritt würde die Scheidung nur noch größer werden, durch einen halben eine nichtsnutzige Halbheit entstehen. Es blieben daher blos dringende Einzelheiten übrig, welche zu entfernen oder umzugestalten wären, und da müßte man freilich, um sich nicht die Blöße der Inconsequenz zu geben, diese Einzelheiten nicht compact zusammenfaffen, wodurch sie eben ein buntscheckiges und willkürliches Aussehen erhielten, sondern, gerade jede abgesondert behandeln und dann über sie entscheiden, auf diesem Wege aber mit Bestimmtheit, Energie und unermüdet fortfahren. Ich will nicht auch zum klugen Meister und Meisterer werden, aber ich kann mich nicht enthalten, den Männern, welche unsere Hoffnung bilden, zuzurufen, daß sie doch endlich einmal die Zaghaftigkeit verbannen und mit gemessenem, aber ernstem Schritte an die Verbesserung unseres lästig aufgehä'usten Ceremonienwesens gehen sotten. Es ist ein lächerlicher Einwurf, den man gewöhnlich vorbringt, daß diejenigen, welche einer sreiern Ansicht huldigen, eines solchen Ausspruches von Seiten der Rabbiner nicht bedürften, die Andern aber ihn nicht achteten, zumal wenn er von einer geringen Anzahl oder sogar von Männern, deren Rigorismus nicht bekannt ist, ausgehe. Dieser Einwurf hat eben den Fehler, welchen eine jede Schematisi'rung mit sich führt. Es ist hier nämlich zuerst eine große Classe unter den Juden übersehen, welche mit dem ernstesten Wunsche Juden, aber vernünftige Juden sein wollen und mit Begierde auf die Belehrungen solcher Männer hören, denen sie eine tiefere Kenntniß in das Wesen unserer Religion zutrauen. Dann aber muß