Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 3
- Article
- Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 474 (sequence 4)
- Language
- German
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474 Nachrichten. .er zu der Verehrung der Nabbinen kömmt und ihre Satzungen als ein ewiges Band den Juden auszulegen sich erkühnt; will nicht fragen 7 ob sein Leben denn auch wirklich diesem „innersten Kerne seines Strebens und seiner Gesinnung" entspricht und ob er etwa da diese Treue bewährt; ich will die Arroganz und Vornehmheit, mit der er sich bei der Beurtheilung der neuern jüdischen Bestrebungen (X. XIV. XVI.), welche er nicht versteht, geberdet, ganz ungerügt lassen; aber dies muß ich unumwunden bekennen, daß wer rabbinlscher Jude sein und eine christliche Weltordnung anerkennen will, daß dieser weder die Ansichten, welche der erstere hat, noch die Ansprüche, welche die andre macht, kennt. Das ist Affectation und Mummenschanz, und weil sie religiöse Überzeugungen berührt, sträfliche Heuchelei, so sehr sich auch Hr. I. dagegen verwahren mag. Gerade so geht es ihm mit den Bestrebungen nach bürgerlicher Entfesselung. Dem alten Juden vom 15. Jahrh. sind diese, wenn er in seiner starren Consequenz leibt, nichtig; seine Hoffnung ist in der einstigen Sammlung der zerstreuten Glieder Israels, seine Klage ertönt über seine Sünden, die ihm die jetzige Schmach bringen, und den Werkzeugen seiner Schmach wendet er den Haß nur zu; von ihnen die Lösung der Ketten verlangen wollen, ist ihm Lhorheit und Gottesleugnung. Mit modernem Auge aber blickt I. auf diese Bestrebungen, er höhnet sie und' verlangt doch nach deren Früchten (Ges. 11), vielleicht weil er selbst einmal früher in diesem Gebiete sich bewegt, obgleich er behauptet, den alten Adam von sich abgethan zu haben. — Aber widriger als alles dieses ist eine Koketterie, die einen jeden Juden mit Abscheu erfüllen muß, ich meine den erheuchelten Schmerz, Jude sein zu müssen und nicht Christ sein zu dürfen. Da wird gejammert, der Jude stehe unter dem Zwange und dem Fluche des Gesetzes und dürfe die freie Liebe nicht anerkennen, er habe blos einen Gott des Zornes und keinen der Versöhnung und der Milde, und er söhne sich nach der Liebe und der Versöhnung, und könne sie nicht erreichen. Wo hat ein Jude je so gedacht, wie kann ein Jude je so denken, und wie kann ein Jude, der in den raböinischen Satzungen seinen Glauben, in der einstigen Wiedergründung eines israelitischen Staates seine Hoffnung findet, solche Gedanken und solche Gefühle haben? Aber Herr I. hat einmal gehört, daß der Apostel Paulus so gesprochen und die Christen m Masse es ihm nachsprechen, und da war ja eine recht schöne Gelegenheit , einen poetischen Schmerz über solchen Mangel und solche ewig bleibende Sündhaftigkeit auszusprechen; nur ließe sich freilich der Mangel bald durch den Hinzutritt einiger Waffertropfen und die Sündhaftigkeit durch ein Bad im Wundenblute Jesus, aufheben. Ich weiß nicht, ob der Vers, sich bis jetzt dieses Mittels noch nicht bedient, um seinem Schmerze ein Ende zu machen; aber ich möchte es ihm recht angelegentlich rathendenn der Schritt ist leicht und einträglich.