Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 3
- Article
- Frankfurt a. M. [Nachricht]
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 473 (sequence 3)
- Language
- German
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Nachrichten. 473 so tief verletzt. Aber Zakobi's Klagen sind sinnlos, und rnit ihm zu fühlen ist unmöglich, weil — er selbst nicht gefühlt hat. Wie es mir scheint, wußte er von einem Schmerze des Juden in der Gegenwart, der sich in socialer Stellung auch noch aus der Lieblosigkeit, welche ihm so oft entgegentritt, erzeugen kann, und da hat er denn kalt und nüchtern sich Momente dieses Schmerzes ausgesucht und, wie dies in solcher Stimmung nicht anders sein kann, hat er sich vergriffen. Er will sich auf den Standpunkt eines Juden stellen, der durchaus nicht von den neuern Ansichten ergriffen ist, und dieser kennt eigentlich gar keinen Schmerz, es müßte denn höchstens die Klage sein, daß Israel noch immer nicht als Volk dasteht und daß so viele Söhne Israels dem alten Glauben sich entwinden; ersterem schlöffe sich die Liebe an gegen die zerstreuten Brüder, der Haß gegen ihre Dränger und die Hoffnung einstiger Erlösung; letzterem die Freude in der Festigkeit im Glauben und der Fluch gegen diejenigen, welche ihn verlassen — sei es durch völligen Austritt oder durch ihr Leben — und die Zuversicht von dem einstigen herrlichen Siege des Glaubens. Eine solche Darstellung hätte allerdings poetische Wahrheit, ohne uns einen Juden der Gegenwart vorzusühren. Aber Herr I. ist selbst zu sehr von fremden Ideen geschwängert, als daß er diesen Standpunkt rein erfassen könnte, und deßhalb äffectrrt er ganz andere Schmerzen: um so mehr da er es ja selbst sein will, der diese empfinde. Wie sollte er aber von sich selbst sagen wollen, er sei ganz abgeschlossen in altjüdischem Glauben und sehe überall außer Israel nur Wahn und falschen Glauben, und er wisse nichts von menschlich-geschichtlicher Entwickelung, sondern kenne nur den Gott, der Israel wegen seiner Sünden dem Drucke hingibt und das gereinigte zum Siege erheben wird über alle Völker? Deßhalb aber kömmt er in den größten Zwiespalt mit sich selbst, d. h. als Dichter der Klagen, denn im Leben zweifeln wir nicht, daß er von der geheuchelten Ansicht und daher auch von dem Zwiespalte nichts weiß. Während er (S. IX. ff.) unter Iudenthum das „alte",Iudenthum versteht, wie es durch „die Geschichte" festgestellt ist, in seinen „unantastbaren Lehren und Eereniom'enwie sie „von den Rabbinen erweitert worden;" während er vvn diesem Iudenthume sagt, es sei „auf einem ewigen Felsen gebaut, und es solle in aller Gebundenheit bei den Juden verbleiben," so sagt er dann doch, daß es sich, „zum Heile uud zur Erlösung der Welt, für die andern Völker der Erde durch Offenbarung in die christliche Religion gewandelt habe" und daß „dieses Judentums eine Erfüllung und Erlösung harre." In demselben Sinne sagt er dann, „er sei strenger Jude in Bezug auf )üdisches Leben und jüdische Gebiete (?), sei aber christlich gesinnt, wo und wann es gilt, die Welt und ihre Kreise um uns zu beleuchten und zu erörtern, zu begründen und auszubauen." Ich will hier gar nicht fragen, wie Iüd. Zeitschr, III. Bd. 31