Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 3
- Article
- Wiesbaden
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 460 (sequence 5)
- Language
- German
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460 Nachrichten. der Begriffe ln den vorliegenden Nellen finden zu muffen vermeinten. Betrachten wir nämlich die Stellen, in welchen von dem 'n die Rede ist, unbefangen, so finden wir allerdings, daß der Prophet häufig von sich und seiner Berufung spricht, aber nicht anders als von einer solchen Weihe, welche einem jeden frommen Israeliten, in gleichem Grade mit ihm, zu Lheit werden könne und werde, indem gerade dasselbe Israel, welches stn seinem sündigen Und Gott abgewandten Leben als taub Und blind bezeichnet werden kann, dennoch immer als mit einer höhern geistigen Macht bekleidet -argestellt wird, die, wenn wir so sagen dürfen, ihm in pottntia inwohnt, wenn sie auch gerade nicht in aetu sich erweiset, und daher ihm immerhin der Namen 'n zukömmt. Und zwar Letzteres um so mehr, da die Rückkehr des Volkes zu seinem Gotte als eine unzweifelhafte Hhatsache erscheint, und die Idee Israel nur in diesem reinen, geistigen Zustande aufgefaßt wird. Der immanente Uebergang der Begriffe von dem einzelnen verkündenden Propheten, den Frommen im Volke und dem ganzen Volke ist daher durchaus nothwmdig, und es darf bei diesem Zerfließen des nicht scharf abgegrenzt werden, was hier recht individuell darunter verstanden werde. Von der besondern Bedeutsamkeit des Prophetenstandes jedoch, der, wenn auch nicht als Kaste, so doch als Zunft zu betrachten sein würde, kann nach der ganzen Art und Weise, wie diese austreten, nicht die Rede sein. Nicht anders ist es mit dem Berufe, andre Völker zu erleuchten und ihre Sünden abz-ubüßen. Daß von Israel, von dem Gottesgciste nämlich, welcher in ihm im Allgemeinen lebt, seinen besondern Träger aber in den ausgezeichneten Frommen hat, als welche auch die Propheten nur gelten wollten, das Heil über die Welt ausgehe, findet sich sehr häufig ausgesprochen; wie dieses Heil erreicht werde, ob durch eine Besiegung der Völker durch Israel oder durch eine Umwandlung von deren Gesinnungen, bleibt in schwankender Allgemeinheit gehalten, die bald nach dieser, bald nach jener Seite etwas concreter wird. Nicht anders ist die Auffassung des unglücklichen Zustandes Israels, welcher bald in Betracht des gegenwärtigen sündhaften Lebens als Strafe, bald in Betracht der geistigen Kraft, die es als Ideal in sich trägt, nur als Sühne für Andrer Sünde erklärt werden kann, und daher ist dann umgekehrt das einstige Glück wiederum bald blose Gnade, bald wohlverdienter Lohn. — In dieser allgemeinen Weltanschauung, die sich in ihrem freien Walten nicht in die engen Grenzen von Formeln und definirbaren Begriffen einzwingen läßt, liegt die Erklärung der vielen vermeintlichen Widersprüche; aber freilich zerfließet hiemit auch die Annahme aller buchstäblichen und typischen Weissagung, oder die Unterlage einer größeren Geistigkeit unter den von den Propheten durch eigene und ZeiLbeschränktheit in nationale und irdische Bedeutung umgewandelten Gottesausspruch, welcher sich dann eben