Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neuhebräische Poesie [Rezension]
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 8)
- Language
- German
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383 1. Neuhebräische Poesie. Delitzsch. ein Wiederaufleb^r derselben kann sie nicht vermuthen, den Schmerz über die Vernachlässigung derselben unter den Juden kennt sie nicht und schreibt die Gleichgültigkeit dagegen nicht dem „Handels- und Procentengeiste der Juden" zu, wie Hr. V. Martinet thut (S. 339), sondern der innigeren Verbindung der Juden mit den Völkern, unter denen sie leben, und der klaren Ueberzeugung, daß sie in deren Sprachen, wie denken, so auch dichten. Zur Zeit Mendelssohns und kurz nachher konnte eine Kunftanschauung im Allgemeinen nur in hebräischer Sprache erstehen, und die damaligen Bemühungen, den Kunstsinn der Juden, welcher in spitzfindigen Grübeleien untergegangen war, sowie die später» Anstrengungen, dasselbe in Polen zu erzielen, verdienen die dankbarste Anerkennung. Nun aber sind Allen die deutschen oder andere vaterländische Sprachschätze geöffnet, und der dichterische Sinn muß sich nicht Mehr in einer angeeigneten Sprache äußern und an den Werken, welche in ihr verfaßt sind, gepflegt werden, — die Muttersprache mit allen ihren Gefühlen liegt vor ihm und in ihm; und um zu der Empfindung für die hohen Schönheiten in der biblischen Litterarur zu gelangen, bedarf es nicht mehr hebräischer Gedichte, welche sich näher an unsere Umstände, Denk- und Empfindungsweise anschmiegen, sondern nur eines reinen, in dem Genüsse der nächsten Literatur geübten Geschmackes. Daher Anerkennung dem dichterischen Gemüthe, unter welchen Umständen dieses hervorbricht, Anerkennung auch der Gewandtheit, in einer so fern liegenden Sprache sich frei zu bewegen; aber das Lob einer selbstständigen Poesie und die Klage über deren Schwinden und Mißkennen muß verstummen! Sind wir nun mit der Grundidee des Werkes Nr. L nicht einverstanden, theilen wir die Begeisterung des Hrn. v. D. für die neuhebräische Poesie nicht, ungeachtet wir den humanen Sinn, mit welchem er, als Christ, sich dieser jüdischen zersprengten Ueberreste und der so häufigen Klagelaute