Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neuhebräische Poesie [Rezension]
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 5)
- Language
- German
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38t) Recenstonen. Witz aufbieten, um ihrer morgenländischen Schwester es gleichzuthun. Die Bildung der Zeit war an sich nüchtern, der schvlastistrte Aristoteles war allmächtig, alle Wissenschaft und Kunst sollte unter ihn sich beugen, das Studium der Philosophie in dieser Art war das einzige Creditiv für eine erlangte höhere Bildungsstufe, und als Kunsttheorie galt, daß die Dichtkunst ein Product der Phantasie sei, diese aber nur in eben eingebildeten Vorstellungen sich kund thue, denen keine Wahrheit, höchstens eine halbe, innewohne; sie sei, wohl angewandt, dazu tauglich, den großen Haufen, der für philosophisches Beweisverfahren nicht zugänglich sei, zu lenken; das Künstlerischste aber am Gedichte sei seine Erdichtung (i2w 2^)- Wo die Dichtkunst so tief steht, da sind auch ihre Products blos Knnststnckchen. — Die deutsche Poesie brach allerdings zu der Zeit, welche wir hier im Auge haben, gerade in voller Kraft hervor, aber Eigenthum der etwas ferne Stehenden war sie noch nicht geworden; diese sahen noch erst die geglättete Form und die geschwätzige Breite als wahre Poesie und boten nun statt des köstlichen Weines hebräisches Zuckerwasser. Nun aber gar jene Congruenz des Ausdrucks mit dem Inhalte zu erzielen, nach welcher Majestät oder Einfachheit, Erhabenheit oder Naivetat, Freude oder Schmerz und dergl. schon in der Wahl des gerade zu dieser Stimmung geeigneten Wortes liegt, war natürlich bei einer todten Sprache ganz und gar nicht möglich. Das Wort war blos ein nackter Begriff, nicht der Ausdruck einer lebendigen Anschauung, der noch eine Nebenempfindung mit erzeugt. Man wählte-meist die prächtigsten, hochtrabendsten Wörter, die seltensten Formen reichten sich in einer Zeile die Hand und schienen nun erst zu vollem Bürgerrechte gelangt, woran natürlich auch häufig äußere Fesseln Schuld hatten. Am Sichersten zeigt sich dies bet Versuchen, Gedichte der naiven Art zu übersetzen, die selten gewagt wurden, aber immer mißglückten.