Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 3
- Article
- Neuhebräische Poesie [Rezension]
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 3)
- Language
- German
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378 Necenssonen. eben die Dinge nur dadurch recht gegenständlich, daß seine innere Individualität so durchsichtig ist, daß sie sich klar in ihr spiegeln , aber nicht dadurch, daß es. sich selbst aufgebend, das dichterisch Anzuschauende von der eignen Anschauung losreiße. Als die Sehnen des hebräischen Vvlksgeistes mit dem ersten Exils zerschnitten wurden, da ward auch die Sprache gelähmt; mit dem Hinzutreten neuer Elemente aus andern Völkern, mit der Mischung, welche sein« eigne Sprache durch andere erfuhr, schwand die eigenthümliche Färbung, und selbst beim Aufschwungs, den das Volk später wieder nahm, und selbst bei der Kühnheit der es eine Zeit lang beherrschenden Ideen war doch die Innerlichkeit dahin, und die Dichtungen haben mehr rednerisches Pathos als poetischen Schwung. Wäre die Zeit des zweiten Tempels günstiger für die Entwickelung des Vvlksgeistes gewesen, die Sprache wäre vielleicht wieder neu und kräftig erstanden; aber statt dessen ging das jüdische Volk immer mehr seiner Auflösung entgegen, und fremde Sprachen mischten sich buhlerisch mit der alten,,geheiligten. Als dann Israel ganz in die Weite getrieben wurde und das Volk seinem eigenthümltchen Berufe, welcher schon früher sein tiefster Gehalt war, als Glaubensgemeinde zn leben, zu wirken und — zu dulden, ganz verfiel, da konnte die Sprache als Volks in d ivid u a lit ät sich nicht erhalten, wenn sie auch für die Juden lange und zum Theile noch ein Besitz blieb, der sich innig mit ihren übrigen Eigenschaften verwoben. Von eigentlicher, wahrhafter Poesie konnte daher da keine Rede mehr sein, selbst wenn die Ungunst der Zeiten einen freien poetischen Sinn in den unglücklichen Nachkommen jenes Volkes, in denen wohl noch zuweilen eine zuckende Faser davon sich regte, hätte auskommen lassen. Dennoch aber drängten sich innigere Gemüther unter den Juden zu dem Borne der Poesie, um gestärkt durch diesen Weihetrank in hebräischen Klängen ihre Gefühle zu