Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zwei die Frauen betreffende Gebräuche
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 13)
- Language
- German
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366 IV. Zwei die Frauen betr. Gebräuche. jedermann spricht, wozu denn noch von Andern andere Dinge hinzugefügt werden. Diese Beispiele erklären hinlänglich, was die Mischnah unter »jüdischem Gesetze" versteht; denn während für das biblische in der Bibel gebotene Gegenstände angeführt werden, finden wir hier Regeln der Sittsamkeit und Züchtigkeit, die nach Zeit und Ort sich sehr verschieden äußern. Eben so wenig, wie daher das Spinnen auf der Straße oder die Unterhaltung mit jedermann als eine für eine Ehefrau durch das Judenthum verlwtene Handlung gelten kann, und man in unserer Zeit und in unfern Gegenden — im Gegensätze mit dem Oriente — darin nicht den geringsten Anstoß findet; eben so ist auch die Bedeckung des Haupthaares rein von den zeitlichen Begriffen und ländlichen Sitten abhängig. Die allgemeine Ansicht, es sey „jüdisches Gesetz," daß die Frauen nicht blos wirklichen Treübruch , sondern auch alles gegen Züchtigkeit, Sittsamkeit und Anstand Verstoßende zu vermeiden haben, bleibt fest; aber die Aeußerungen eben dieser Grundsäulen weiblicher Tugend sind dem Wechsel unterworfen "). Damals war allerdings dieser Gebrauch allgemein, und durch ihn wurde auch die Ehefrau von der *) Hier giebt sich wieder die Stellung der Gemara, der Mischnah gegenüber, kund, wie sie Alles, was in dieser noch flüssig, aus dem Leben gegriffen ist, zum festen, unbeweglichen Gebote umschafft. Der Gemara z. St. erscheint nämlich dieser Gebrauch an sich schon als biblisch, indem sie ihn aus der Bibelstellr, die unter I behandelt worden, ableitet, und nur dann scheint er ihr blos „jüdisch" und nicht biblisch zu sein, wenn die Frau eine damals übliche Kopfbedeckung hat, die zugleich durch eine oben angebrachte Vorrichtung die Stelle eines Körbchens, in das Haushaltungsgeräthe gelegt werden konnten, vertrat; auch in dieser öffentlich zu erscheinen, ist nach seiner Ansicht verboten. Tritt er hier erschwerend auf, so setzt er sich bei den andern Gegenständen auf umgekehrte Weise mit der Mischnah in Widerspruch. Das Spinnen auf der Straße, das Sprechen mit jedermann, oder das Schreien, däS der heftige Tarphon hinzufügt, wurde natürlich, als blos zuweilen vorkommende Dinge, .nicht so strenge vermieden, wie der für alle Frauen und