Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 2
- Article
- Chaldäische Sprache und Litteratur [Rezension]
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929031-2929034-2930934--1749-2931066- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
256 Rezensionen. geleitete Sprachvergleichung aus zu fern liegenden Sprachen nicht ins Speciellste eingehende Gesetze und Aehnlichkeiten ableiten, und die Erklärung einzelner in der einen Sprache nicht ganz ansgebildeter Formen durch die andere, in welcher gerade diese Bildungen den vollen Grad ihrer Entwickelung gefunden haben, wird nicht auf die völlige Herübernahme des Sprachgesetzes aus dieser sich ansdehnen, sondern nur so weit diese Herübernahme gestatten, als der ganze Charakter jenes Idioms es zuläßt. Es wird daher zwischen mehr fern stehenden Sprachen, bei aller Verwandtschaft im Allgemeinen, niemals die Verschiedenheit geleugnet und die scharf gezogene Gränze hinweggerückt werden dürfen, und selbst bei wirklich sehr nahe verwandten Sprachen, welche man sogar nicht für verschiedene Sprachen, sondern blos für Dialekte einer Sprache ansehen will, wird man auch den in sich einigen Organismus einer jeden einzelnen in so weit achten, daß man nicht gewaltsam die Eigenthümlichkeiten verwische und willkürlich von einer auf die andere nach Bequemlichkeit übertrage — ein Fehler, in den schön die alte holländische Schule verfallen war. Ich will und kann hier nicht iin Einzelnen untersuchen, inwiefern Herr v. F. die Gränzen, durch welche die verschiedenen Sprachen sich gegenseitig ausschließen, genau gewahrt hat; so viel bleibt Mir gewiß, daß eine zu große Aufmerksamkeit auf diese Vergleichungen gewandt, die Eigenthümlichkeit aber — blos einmal gelegentlich, wie nothgedrungen, zugestanden (bei der Bildung der Causativform, §. t.46, S. 14t) — nicht zur Anschauung gebracht wird. Bei diesem Verfahren erklärt es sich leicht, wieso der Verf. dazu kömmt, die Rede von dem „Geiste der Sprache" so gewaltig zu perhorresciren (Perlenschnüre S.XVII) und die Richtung, in der einzelnen Sprache nach dem Zusammenhänge aller ihrer Erscheinungen zu fragen und so eine in Verbindung mit der andern zu erklären, was einzig richtige Sprachphilosophie ist, mit jener veralteten Sprachphilosophie