Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die jüdischen Trauergebräuche
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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232 VI Ueber die jüdischen Trauergebräuche. die beste Unterhaltung; den Zartfühlenden und wirklich Betrübten hingegen verletzt und empört das Benehmen der meisten Besuchenden, und es kostet ihn die größte Anstrengung und Selbstüberwindung, ihre Fragen , Tröstungen und Bemühungen um ihn zu ertragen. Heißt das vielleicht den Trauernden trösten? Versteht sich Jeder auf die seltene Kunst? Wem Trost wirklich Roth thut, dem wird er höchstens von einem vertrauten Freunde oder einem gefühlvollen Menschenkenner, der Seelenwnnden mit gehöriger Zartheit und Klugheit zu behandeln weiß, werden können. Bei diesen Besuchen beruft mau sich fälschlich auf die Vorschrift des Thalmuds; man lese nur im Codex des Karo, Tss II. C. 576, §. 4: »Die Tröstenden dürfen nicht zu sprechen aNfängen , bis ihnen der Leidtragende dazu Veranlassung gegeben (erst wenn der Unglückliche mir sein Herz eröffnet und sein Leid klagt, darf ich hoffen, ihn durch Zuspruch nicht zu verletzen), und so bald er nur mit dem Haupte ein Zeichen gegeben, daß er sie entlasse (daß er lieber allein wäre) , dürfen sie nicht bleiben." So viel Zartsinn, so viel Kenntniß des menschlichen Herzens verrathen die Anordnungen unserer Alten! die von Leuten, denen Zartsinn und Menschenkenntnis; abgehen, so arg gemißbraucht werden. Wir können also nicht umhin, den Wunsch auszusprechen, daß irgend eine israelitische Ober-Religionsbehörde in Deutschland diesen Gegenstand in Berathnng ziehen und ihre zeitgemäßen Beschlüsse hierüber öffentlich bekannt machen möge; damit auch der einzeln stehende Rabbiner bei seiner Entscheidung und der einsichtigere Laie bei seinem Verhalten auf eine Autorität sich stützen könnte. Es ist dieß um so nothwendkger, je seltener selbst Jndifferentisten sich in einem solchen Falle ohne Erlaubnis; der Rabbiners von den herkömmlichen Gebräuchen zu diöpensiren wagen, und — der Religion, die ihnen so anstößige Ceremvnien auflegt, iM Herze« noch mehr abgeneigt und entfremdet werden, anstatt