Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die jüdischen Trauergebräuche
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 11)
- Language
- German
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224 VI. Ueber die jüdischen Trauergebräuche. machen. Wir. führen also neuere unbestreitbare Belege an. -Das obenerwähnte Leichenmahl, das zu Josephus Zeiten für unerläßlich gehalten wurde,, der Trostbecher (Jer. 16, 7.), der noch im Thalmud vorkommt , die Leichenmusik und die Klageweiber , zur Zeit des Verfassers der Mischnah zu einer ehrenhaften Leichenbestattung unentbehrlich, find längst, zum Theile noch vor dem Schlüsse des Thalmuds, ganz außer Gebrauch gekommen. In Moed katon 27, d zählt der Thalmud selbst eine Menge von Neuerungen auf,- die bei Leichenbestattungen eingeführt wurden. Merkwürdig ist folgende: Vor Zeiten war die Bestattung eines Verstorbenen den Verwandten beschwerlicher als dessen Tod, so daß sie ihn manchmal liegen ließen und davon liefen , bis R. Gamaliel seine eigene Person (vermutlich durch einen Auftrag vor seinem Tode) herabsetzte und in Linnenzeug (statt der sonst üblichen kostbaren Stoffe) hinausgeführt wurde, wodurch das Volk es ihm nachmachte. So waren die wahrhaft Frommen und Erleuchteten von jeher die Ersten, die sich über herrschende Vorurteile hinwegsetzten und durch ihr Beispiel eingewurzelte Mißbräuche, die Heuchler und Unwissende nicht anzutasten wagten, untergruben. — Doch was verweilen wir bei Beispielen aus der alten Zeit, bei Gebräuchen, die nicht die Sanktion des Thalmuds erhalten haben? Zwei Trauerceremonien, die im Thalmud ausdrücklich dem Leidtragenden zur Pflicht gemacht werden, das Umstürzen des Bettes und das Umhüllen des Hauptes (M">n werden von zwei neuern Gesetzlehrern, deren Entscheidungen das ganze rabbinische Israel folgt, von Joseph Karo und Moses Jsserles, in einem Werke, das sich in den Händen eines jeden jüdischen Casuisten befindet, als förmlich aufgehoben und unanwendbar auf uns erklärt. »Jetzt ist es (in der Trauer) nicht üblich, das Bett umzustürzen", schreibt Karo (Joreh deah, Cap. 387, §. 2.), »weil die Nichtjuden sagen würden, man treibe Zauberei; auch sind unsere