Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die jüdischen Trauergebräuche
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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216 VI. Ueber die jüdische« Trauergebräuche. man sich von der Hand des Herrn getroffen fühlt und sich eine Buße auferlegen zu müssen glaubt. Der Aberglaube vermag ferner über schwache Seelen gar viel, nnd Mancher würde den abgeschiedenen Geist fürchten, wenn er ihm nicht, wie ev dafür hält, sein Recht gethan hätte. DasVorurtheil, daß die Beobachtung der herkömmlichen - Trauerceremonien zur Ruhe des' Abgeschiedenen erforderlich sei, gibt auch diesen uiw .denAugen deS' gemeinen Mannes eine besondere Wichtigkeit , und Nm^ Grunde ist es allerdings lobenswerth, das Seelenheil eines theueru Verstorbenen nicht auf's Spiel sehen zu wollen. Helldenkendere endlich oder Unterrichtetere, die ^übtr dergleichen Vorurtheile hinaus sind, verstehen sich oft zu diesen lästigen Gebräuchen aus falscher Sentimentalität, aus Gefühlsaffectation; denn um nichts in der Welt möchten sie! gefühllos , gleichgültig gegen den Tod eines Angehörigen scheinen, — Daheo kommt es, daß.-der wahrhaft Gebildete in solchen Fällen in der peinlichsten Verlegenheit ist.t. Denn so weh es ihm thut^ zuheucheln und Handlungen mitzümachen, die seiner Ueberzeugung nach unstatthaft sind und seine heiligsten Gefühle verletzen, so ungern möchte er andererseits dem großen Haufen in einer so heilig gehaltenen Sache, bei einem Gegenstände der Pietät, Anstoß geben. Und es ist in der That eine bei Unwissenden nicht seltene-Beweisführung, die Heiligkeit und Unantastbarkeit besagter Gebräuche dadurch zu erhärten, daß sie ja auch von Leuten beobachtet werden, die sich sonst über die wichtigsten Gebote hinwegsetzen. Diese Bemerkungen werden wohl hinreichend sein, darzuthun, daß es einmal an der Zeit sei, diesen Gegenstand öffentlich zur Sprache zu bringen, die Begründung unserer Trauergesetze in der! Religion Nnd der Geschichte zu erforschen und zu untersuchen, ob und in wie fern sie aufgehoben oder abgeändert werden konnten und dürsten.