Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Gottesstaat
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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205 IV. Der Gottesstaat. dem geistigen Menschen vorerst den Raum, auf dem er stehe, zu sichern, jene erst nach Abschluß der ersten Verhältnisse an die Reihe der Gesetzgebung gelangen. Wir rechnen hieher, ' daß die Wissenschaften und Künste selbst dem höheren Gesetzgeber, wie dem gemeinen Manne, theils als dienstbar dem Interesse eines wohlgeordneten Staatshaushaltes, theils nur als Mittel günstiger Wirksamkeit betrachtet werden. Ja, selbst die Religion wird nach vielen Staatsökonomen , z. B. nach Spinoza redlich und offenbar, und versteckt von fast allen Gesetzgebern, die irgend den Genuß des Bürgerrechtes daran als Consequenz knüpfen , zum Staatsdienste, zur Frvhnarbeit degradirt. Daher kann es uns denn auch nicht auffallen, wenn Salvador die Religion MoseS' erst abhandelt, nachdem er mit den Institutionen zu Ende ist; denn dahin gehört sie als Höchstes in der irdischen Entwicklung und als Letztes in ihrer Nutzanwendung in der Staatswirthschaft. So ist die Stellung eine natürliche Selbstfolge. Uns aber bleibt an dieser Stell« zu untersuchen, wie seine Ansicht von dieser Religionslehre, und wie seine Ueberzeugung von der Religion überhaupt, als innerem Bewußtsein und Glauben, und auch als äußerlicher Darstellung im Leben, als Cultus, sich zur wirklich vorhandenen Thatsache der Offenbarung verhalte. Im Allgemeinen und zum Voraus läßt sich erwarten, daß die Rangordnung, welche ein Anordner dem Anznordnenden zutheilt, in einer Werthbestimmung desselben ihren Grund finde, so daß das Höchste zum Ersten wird, das Geringste zum Letzten. Allein man hat auch wohl die Ordnung befolgt, vermöge'welcher man vom Zusammengesetzten zum Einfachen, vom Individuellen zum Allgemeinen fortschreitet und damit das, was als Höchstes gilt, ans Ende rückt. Dies aber findet da allenthalben Statt, wo der allgemeine Begriff als ein Wesentliches gefaßt und in eine Art von Individualität hineingetragen wird, wie es in den