Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Gottesstaat
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 8)
- Language
- German
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2V3 IV. Der Gottesstaat. Mvse's. Schiller nämlich macht Moses zum Autor der Verfassung, läßt ihn aber mit diesen seinen Ideen aus der ägyptischen Geheimlehre hervorgehen und zum Prvfanator der Mysterien werden. So haben aber diese sogenannten rationalen Erklärer zu bedenken versäumt, dass sie.in ihren Deduktionen ohne Beihnlfe eines Wunderglaubens größere Wunder lehren und einen mächtigeren Glauben fordern, als die steifste Orthodoxie jemals auch nur zu fordern im Stande war. An diesem Uebelstande kränkelt denn auch gewaltig jene bekannte „Sendung Mvse's." Denn wahrlich, die Weisheit Mvse's wäre nicht weit, wenn er seine „ägyptische Weisheit". einem Sklavenvolke einflößeu zu können.geglaubt hätte; auch wäre das. Wunder des Gelingens noch um ein gutes Theil größer, als jenes, das seine ehemaligen Lehrmeister für einen Finger Gottes erklärt haben. Die Ansicht von einem Plagiate aus den Geheimnissen der Pyramiden hat schon lange nicht mehr gegolten, und Salvador sucht sie auch hier mit Kraft zn bekämpfen. Besonders hebt er die Verschiedenheit beider Grundverfassungen hervor. Nun läßt sich zwar dagegen sagen, daß ja der Behauptung nach dieses Verfassungsprincip als Geheimlehre gegolten haben soll, mithin nicht in die wirkliche Staatsverfassung einzugehen bestimmt war. Allein dieser Gegenstand ist nur scheinbar. Die ägyptische Lehre konnte keine Gleichheit des Menschen vor Gott und Gesetz lehren, da sich die Priesterkaste als die natürlich bevorzugte erklärte und in dieser Eigenschaft sich schwerlich ohne ein entsprechendes Selbftbewußtsein so lange gehalten haben könnte. In Aegypten galt eine Dreiheit des Kastenwesens, 1) der Intelligenz, gleich dem Haupte, gleich der Priesterkaste; 2) der Macht, gleich dem König und der Kriegerkaste, und endlich F) des Stoffes, gleich der Handwerker- und der Bauernkaste. So verkennt Salvador ganz und gar das Wesen der Religion, wenn er sie dichotonisch eintheilt in die