Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Grundzug der Liebe und dessen Entwicklung im Judenthum
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 14)
- Language
- German
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und dessen Entwicklung im Jndenthum. ISS wir jedoch den Cyclus aller Prophezeiungen, so stellt sich dieser Glauben einfach dar. Israel (oder auch ein anderes Volk s. oben) hat gesündigt, dafür erregt Gott andere Volker wider dasselbe, die es für seine Sunden bestrafen; aber diese mißbrauchen die ihnen anvertraute Gewalt, sie werden übermürhige Sieger, Räuber, und auch sie müssen bestraft werden. Einst aber wird die Zeit kommen, in welcher alle Völker des Erdkreises Gott erkennen; da wird Friede sein auf Erden, ruhig und ungestört jedes Volk in seinem Lande wohnen, keines gegen das andere feindselig anstreten. Dieß ist die schone Zukunft, die die Propheten so herrlich ansmalen — dieß die schöne Zeit des Messiasreichs. Es ist dieses nach den oben bezeichneten beiden Ansichten die Zeit des allgemeinen ewigen Friedens, die Zeit der Ruhe und der Eintracht, der Frömmigkeit und der Erkenntnis; des Gottes der Liebe und der Wahrheit. Es ist der Sieg des Glaubens über den Aber- und Unglauben, der Sieg der durch diesen Glauben an den einigen Gott erkannten Liebe über die Gewaltthätigkeit im Dienste des Götzen. — Die Messiasidee im Judenthume ist demnach, in ihrer Liebe gegriffen, das Prinzip des ewigen Fortschritts der Menschheit, das durch das ganze Judenthum hindurch geht, welches in seiner eigenen Perfeetibilität, im Ganzen sowohl als in seinen wichtigsten Institutionen, gleichsam das abgedrückte Beispiel jenes Princips aufstellt. Der Messias selbst ist die Personifikation der Idee des Fortschrittes. andern Stellen des Thalmuds wollen sich zwar grobsinnliche Auffassungen der Messiaszeit, als einer Zeit äußerer Herrschaft, geltend machen, wie Erubin 43, b: „zur Messiaszeit wird Alles Zsrael „ dienstbar sein," welche Auffassung aber gewiß spätem Ursprungs ist, als zunehmender äußerer Druck ein Rachegefühl rege gemacht hatte, das mit bloser Ruhe sich nicht mehr besänftigen ließ, welchen späten Ursprung auch die aus chaldäischen und hebräischen Formen gemischte Ausdrucksweise beweist» Lüd. Zeitschr. lll. Bd, 13