Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Grundzug der Liebe und dessen Entwicklung im Judenthum
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2929020-2929031-2929034-2930929--1675-2931001- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und dessen Entwicklung im Judenthnm. I9L ihrer Wittwen an, wird Vater ihrer Waisen (Jer. 49, 11). Wie deutlich beweiset ferner nicht die Sendung Jvna's an die Einwohner von Ninive, daß es dem Gotte der Juden um anderer Volker Erhaltung eben so zu thun ist, als um dieser selbst? daß er die Wahrheit und die Gesetze des allgemeinen Rechts über die ganze Erde verbreitet wissen will? Wie vortrefflich ist das Bild, in welchem dem Jona gezeigt wird, wie die Allgüte mit Recht, ungeachtet ihres Langmuthes, ihrer Barmherzigkeit, wodurch sie die Stadt dennoch dem Verderben nicht so bald preisgegeben hätte (Jon. 4, 2), mit besonderer Sorgfalt ihr einen Propheten gesendet, um sie nicht länger der Gefahr der Sünde ausgesetzt zu lassen. „Und Gott sprach zu Jona, du lassest dir leid sein um den Wunderbaum , um den du dir keine Mühe gegeben, den du nicht erzogen, und ich sollte nicht besorgt sein um die volkreiche Stadt?" Und endlich, wie liebevoll nimmt sich Gott der Unschuldigen an, „die nicht zu unterscheiden wissen zwischen ihrer Rechten und ihrer Linken;" wie väterlich besorgt ist er selbst für die Thiere, womit das Ganze schließt. — Wer möchte nun glauben, daß die Männer, die Gott als so liebevollen, für alle seine Geschöpfe zärtlich besorgten Water darstellen, daß eine Religion, die eine solche Liebe befiehlt, die überhaupt Gott als den Schöpfer und Erhalter aller Wesen erkannt hat, gegen den Menschen, diesen letzten Ring der Schöpfungskette, nicht auch Liebe gelehrt, oder daß sie gar zu gegenseitigem Haß führen sollte? Zwar tritt dieser Gott den , der in seinem Uebermnthe die Gesetze des Rechts und der Wahrheit verhöhnt, mit seiner unerfvrsch- Üchen Macht zu Boden. „Da fährt >er daher in Feuer, die Windsbraut ist sein Wagen" (Jes. 66, 15 re.); aber er eifert nur für das Gesetz und die Wahrheit, deren Thron er auf Erden errichten will, und verleugnet auch hier nicht seine Barmherzigkeit und seine Vaterliebe (Jes. 63, 16 rc. 66, 21 rc.); immer bleibt auch hier der Grundzug der Liebe;