Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Judenheit und das Judenthum
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2929020-2929031-2929034-2930927--1646-2930976- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
166 I. Die Judenheit und das Judenthum. thum altes Bestehende und Herkömmliche verstanden; immer noch gilt als sein Symbol der Schulchan aruch mit seinen noch nicht befriedigten Cvmmentarien und Supercommentarien, und eine Abweichung hievon gilt auch als Abweichung vom Judenthum. Wie aber ein solcher Mißstand, der einem jeden wahrhaft religiös Gesinnten den Mangel eines befriedigenden Religionssystems fühlbar machte, der einen jeden Denker in eine negirende Richtung bringen, in Opposition mit allem Bestehenden setzen muß — wie ein solcher Mißstand, der im Gemeindeleben und ganz besonders auch in der Erziehung so nachtheilig wirkt, meistens so wenig beachtet wird, ist nur aus der Gleichgültigkeit gegen inneres Leben zu erklären. — Es ist zwar nicht zu leugnen, daß auch über diesen Gegenstand so manche zerstreute Aussprüche vorliegen, daß auch schon manches kräftige Wort darüber gesprochen ist; aber nicht minder muß zugestanden werden, daß diese Aeußerungen, ohne Zusammenhang in sich, keine rechte Bestimmtheit, nicht die nothwendige Schärfe an sich tragen und daher auch den Einzelnen, von denen sie ausgegaugen, überlassen blieben. Allerdings tragen auch die meisten unserer neueren Religivuöbücher ein ganz anderes Gepräge an sich, als daß sie die Ansichten des vorigen Jahrhunderts verträten; aber, abgesehen von der Zusammenstellung der ewigen Wabrheiten — der allerdings wesentlichsten Aufgabe — besteht doch ihr reformatorischer Gehalt blvs in künstlichem Verschweigen und Umgehen, nicht im Aufdecken und Wegräumen des Anstößigen, und so ist, trotz ihnen, das Judenthum an sich ganz ans seinem herkömmlichen Standpunkte verblieben. Daß aber die Bestrebungen und Blenderungen im Gebiete der öffentlichen Gvttesverehrungen — Bestrebungen, welche alle Anerkennung verdienen, auch für die religiöse Gesinnung von Einfluß zu sein versprechen — für eine Aenderung des Begriffes »jüdischreligiös« im Allgemeinen nicht von Bedeutung sind, ist um so klarer, je mehr man meistens bei denselben um die