Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Grundzug der Liebe und dessen Entwickelung im Judenthume
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 12)
- Language
- German
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70 IV. Der Grundzug der Liebe getraut und es noch nicht heimgeholt hat (6 Mos. 20, 5. 6. 7). Schon in den erwähnten Geboten zeigt sich der Grundzug der Liebe, nicht blos gegen die Israeliten, sondern auch gegen die im Lande wohnenden Fremden. Deutlicher ausgesprochen wird die Liebe Gottes gegen die Fremden 5 Mos. 10, 18. In dieser Stelle zeigt sich deutlich die finnige Verknüpfung, die zwischen der Er- > kenntnkß Gottes und der Menschenliebe herrschet, und der Keim, der in den mosaischen Schriften besonders mit diesem Grundgedanken zur umfassendsten Menschenliebe gegeben worden, wie der bedeutende Schritt, der in ihnen selbst über eins blofe Volkesliebe schon gemacht wurde. „Der Ewige, euer Gort, heißt es in der angeführten Stelle, .... bei ihm gilt kein Ansehen der Person ...., er führt das Recht der Waise und der Wittwe, er liebet den Fremdling und giebt ihm Speise und Bedeckung-— und so *) sollt auch ihr den Fremdling lieben u. s. w. 0. 1. V 17 —19). Zwar wird der Liebe gegen den Fremdling noch der Grund beigefügt: denn auch ihr seid Fremdlinge gewesen im Aegypterlande;- allein dieser Grund ist nicht der eigentlich innere, leitende, sondern nur der äußere, wie ich ihn nennen möchte, wie Dies öfter in den mosaischen Schriften zu finden, daß gerade solche höhere, die ganze Menschheit berührende Gebote an einen äußern, geschichtlichen Grund angeknüpft werden. Der einzige, wahrhafte Grund jenes Gebotes von der Liebe gegen den Fremdling liegt vielmehr darin, daß auch Gott den Fremdling liebt; darum soll ihn auch Israel lieben, besonders Js- *) lieber diese Bedeutung des Was siehe Ewald, Grammatik d. heb. Sprache Z. 595;.