Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Grundzug der Liebe und dessen Entwickelung im Judenthume
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 5)
- Language
- German
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und dessen Entwickelung im Judenthume. 63 strecken sollte: "nur in Isaak soll sein Name (der ihm in jenem Segen verheißen wird) genannt werden" (I. I. 21, 12); auf Isaak nur erstreckte sich die liebevolle Verheißung: "ich bin dein Schild, Abraham, deine Belohnung soll sehr groß sein" (l. 1. 15, 1); auf Isaak und seine Nachkommen nur beutete die mysteriöse Erscheinung von dem künftigen Elend und der darauf folgenden desto größeren Freude (V. 6 — 14). Freuden und Leiden, die die göttliche Liebe verhängte—, nicht einmal dem gänzen Stamm Abrahams, vielweniger der ganzen Welt, nur der Familie, die in Isaak sich fortpflanzte, sollten sie zu Theil werden. — Dennoch aber ist den Patriarchen die Beschränkung deS Begriffes „Gott" ganz fremd: ihr Gott ist "der Richter der ganzen Erde," der alle Menschen nur nach Gerechtigkeit richtet (I. 1. 18, 25- .20, 4); ihr Gott richtet selbst die ausgearteten fremden (Abrahams Stamme nicht entsprossenen) Sodomiten nur nach der strengen Gerechtigkeit und nach dem Maße ihrer sündhaften Handlungen (20, 20). Sogar der Grundzuz der Liebe zeigt sich gegen die fremden Frevler; wären auch nur zehn rechtlich gesinnte Männer da gewesen, so hätte die göttliche Liebe der ganzen sündhaften Stadt verziehen. Wie sich also die Liebe Abrahams auch gegen Andere in seinen Bitten für jene Sünder zeigt, so auch wurde Gottes Liebe schon damals gegen-die ganze Welt aufzefaßt. Der Gott Abrahams hatte freilich mit diesem vorzüglich einen „Bund" geschlossen, er war vorzüglich der Schild, der Schutzgott Abrahams, aber zugleich der gerechte Richter der ganzen Erde, ja selbst gegen Alle nur liebevoll gesinnt. Aus dieser Darstellung sieht man zugleich, wie der Grundzug der Liebe innig Zusammenhänge mit der Vorstellung, welche die Menschen von Gott überhaupt haben.