Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Grundzug der Liebe und dessen Entwickelung im Judenthume
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2929020-2929031-2929033-2930733--1524-2930821- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
62 IV. Der Grundzug der Liebe zeigte er seine Liebe zum himmlischen Vater, als vielmehr dadurch, daß er der Stimme gehorchte, die ihm liebevoll zurief, Gott habe ihn nur prüfen wollen und fordere seinen Sohn nicht zum Opfer, und so den damals und noch Jahrtausende später herrschenden Gebrauch der Menschenopfer auf immer aus seinem Geschlechte verbannte *). Zehn Prüfungen, sagen unsere Weisen (Aboth V, 3-), wurden Abraham auferlegt, um die große Liebe Abrahams (gegen Gott) zu zeigen. Doch wollen wir nicht leugnen, daß Abraham, wie er den Grundzug der Liebe der Menschen in seiner ganzen Bedeutung noch auf seine Familie beschränkte, oder die Verbindung der Menschen streng genommen nur als Familienverbindung erkannte, ebenso die Gottheit eigentlich noch in die enge Gränze eines Familien - oder Hausgottes einschloß. Er betrachtet seinen Elohim und seine Liebe als ein Gut, das er nur seinem geliebten Sohne Isaak zum Erbe hinterlassen wollte. Sowohl Jsmael als die Kinder seiner Kebsweiber wurden in andere Lander entlassen, offenbar um von seinem Hause und der in demselben vorzüglich wohnenden Hausgottheit desto sicherer entfernt zu werden; man sieht deutlich, daß der Segen Gottes, wie er sich z. B. 1 Mos. 12, 2 u. f. ausspricht, daß die eigentliche Liebe Gottes sich nur auf Isaak er- *) Darin liegt wohl der eigentliche Grund, daß dieses Ereigniß, . die mit so mächtiger Bedeutsamkeit sich im ganzen Judenthume ausspricht. Es wird darin die Entfernung des grausamsten Gebrauchs gefeiert, wie nach der Ansicht eines neuern Gelehrten (Hüllmalin »Staatsverfassung der Hebräer«) auch da» Päsach dieselbe Bedeutung hat, als Heilung von jenem furchtbaren sittlichen Gebrechen. Uns aber scheint in der Akeda, worin jener Gelehrte dieses sittliche Gebrechen »och findet, vielmehr die Heilung desselben noch deutlicher ausgesprochen zu sein.