Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1837
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Stellung des weiblichen Geschlechtes in dem Judenthume unserer Zeit
- Date
- 1837-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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in dem Judmthume unserer Zeit. ä meistens in ihrer vollen Kraft, sondern eS wurden auch, mit Nichtberücksichtigung des ganzen im Judenthume waltenden Geistes, strenge Folgerungen gezogen, welche wieder auf den frühem Standpunkt des Orientes zurückversetzten. Allerdings war im Leben manche Gestaltung damit in Opposition getreten, die Beachtung des Weibes ward immer größer, und die Sage, der treueste Ausdruck der geistigen Volksbewegung, schmückte manche Frauen mit den schönsten, erhebendsten Tugenden und lieh ihnen höhere Weihe; das Gesetz jedoch nahm darauf keine Rücksicht, und der Zwiespalt zwischen diesem und der Lebensanstcht wurde nur immer größer. Bereits achthundert Jahre sind es nun, daß sich ein solcher Zwiespalt auch den Gelehrten fühlbar machte; europäische Gesittung und germanische Ansichten,von dein Weibe und dessen Würde führten Gcrschom ben Jehudah, die Leuchte der Zerstreuten, zu der alsbald sanctiomrten Bestimmung, daß von nun an die Vielweiberei verpönt sei, und daß eine Entlassung der Ehefrau nur mit ihrer Einwilligung geschehen dürfe. Der Schritt war bedeutsam, und zeigt einerseits, wie tief das Bedürfniß nach einer auch gesetzlichen Höherstellung des Weibes gefühlt wurde, indem man sich gegen ausdrückliche Bestimmungen des Thalmuds aussprach, mußte aber auch andrerseits dem Weibe ein erhebendes Gefühl der Selbstständigkeit beibringen, das für alle Lebensverhältniffe von veredelndem Einflüsse ist. Achthundert Jahre sind nun seit jener Zeit des großen Gerschom verflossen, und wozu hat sein Beispiel geführt? Hat man nun einsehen gelernt, daß man auch in gesetzlichen Anordnungen mehr den Anforderungen der Natur gehorchen müsse, als den Bestimmungen einer alten Zeit, welche, selbst blos als gemilderte Ueberreste