Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 3
- Article
- Amsterdam [Nachricht]
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 582 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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582 Nachrichten. die Ehre des Chathan Thorah und Chachan Breschith in der Hanptsynagogc zwei Männern zu Theil geworden, die nicht ganz im Gerüche der Frömmigkeit standen, namentlich hatten sie sich während der Zwischentage des Festes den Bart abnchmen lassen. Alsbald erhob sich ein Stampfen und Toben von allen Seiten, man zischte in der Synagoge, und würde wahrscheinlich zur Ehre Gottes zu Thätlichkciten übergegängen sein, hätten sich die gedachten Männer nicht mit Mäßigkeit benommen. — Es giebt der ausgezeichneten Fachgelehrten allerdings sehr viele unter den Juden hier. Jedem Jnristen ist der Name des leider verstorbenen Meier, des Herrn Asser u. v. A. bekannt; an ausgezeichneten Aerzten fehlt es auch nicht, und selbst in den höheren Civil- und Militärchargen fungiren Juden mit Ehre. Erst in diesem Monate ist ein Jude Pokizeicvmmissair geworden. Der König hat, bei der Ernennung eines Juden zum Richter, als besonderes Motiv hinzugefügt, daß noch bis jetzt bei den Gerichten in Amsterdam stein Jude in diesem Amte fniigire. — Ein großer Theil der geistig höher stehenden Männer aber kümmert sich wenig oder gar nicht um die religiöse Regeneration ihrer Glaubensgenossen. Die Spaltung zwischen den s. g. Alten und Neuen ist überhaupt hier noch viel schroffer, als in Deutschland. Hier sind die Leute entweder so formgläubig, daß sie auch kein Jota weichen möchten, oder so losgebunden, daß ihnen das Synagogenleben ein völlig fremdes ist. Die Gegensätze sind scharf und es fehlt der Conflict, der sie allein nützlich machen könnte' Es ist hier jede Partei zu zahlreich, als daß sie die Berührung mit der entgegengesetzten nicht vermeiden sollte; während in Deutschland immer Verhältnisse existiren, welche die Männer der verschiedensten Ansichten zu einander führen. — Diese so große Anzahl der hiesigen Inden, wodurch sie sich selbst völlig genügen, trägtauch die Schuld, daß hier in gesellschaftlicher Beziehung noch eine totale Spaltung zwischen Juden und Christen besteht. Selbst in Gesellschaften, welche der Kunst und Wissenschaft geweiht sind, hat die Frcisinnigkeit den Fortschritt noch nicht machen können, den Inden den Eintritt zu gestatten. Ucbrigeus ist auch zum Theile dc-r engherzige Kaufmannsgeist Ursache; der Handelsneid vergiftet