Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 3
- Article
- Vertrautes Schreiben an einen Rabbi
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 422 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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422 I» Vertrautes Schreiben Ehe wir aber den Pentateuch öffnen, räth der Vrfr., müssen wir überlegen, wie man ihn lesen soll. "Als Juden wollen wir die Bibel lesen, d. h. als ein Buch, uns von Gott gereicht," (i. s. als Menschen, die die Schrift als ein von Gott ihnen gereichtes Buch betrachten, will der Vrf. sagen). "Daraus uns selber zu erkennen, was wir in unserm. irdischen Hiersein sind und sollen." Ganz recht! Aber wie verträgt sich mit dieser übrigens ganz wahren Ansicht, daß uns, wie S. 8. zu lesen ist, die Thorah "halb symbolisch" sein soll? Das ächte Judenthum hat mit der Symbolik in der Bibel Nichts zu thun. Räumen wir bei unfern biblischen Forschungen der Symbolik Rechte ein, so haben wir den ausschweifendsten Phantasiegemälden Thür und Thor geöffnet. Ich habe Ihnen neulich schon meine Ansicht hierüber mitgetheilt und u. A. mich auf den umsichtigen Ebn Esra gestützt, der nicht umsonst bei der Erzählung von der Schlange (Gen. 3, 1) die auffallend scheinende Meinung äußert, das Richtige sei ihm, die Worte buchstäblich zu nehmen. Und so ist es auch. Gestattet man erst symbolische Deutungen, sehen Sie etwa in der Schlange den Satan, in dem Baum der Erkenntnkß die Philosophie rc., so ist nicht abzusehen, mit welchem Rechte man den vielen und lächerlichen Unsinn abweisen will , den die eine oder andere Kirche in jene Erzählungen wie in zehn andere hkneingctragen hat, oder noch ferner (denn das Reich der Unvernunft ist ein unbegränzteö) hineintragcn wird. Die Bibel symbolisch oder halb symbolisch erklären, ist dem ächten Judenthumc schnürstraks entgegen. — Und noch weniger als das Hü