Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- Baiern, Israelitische Kreisversammlungen [Nachricht]
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachrichten. 411 Wir müsse» nns im Allgemeinen über den Erfolg dieser Maßregel aller Bemerkungen enthalten, da selbst das Resultat der einzelnen bis jetzt abgehaltcnen Versammlungen — welches in dem nächsten Hefte möglichst vollständig und verbürgt geliefert werden soll — uns noch nicht zur Genüge bekannt ist, und stellen, daher hier, so viel uns bis jetzt durch Zeitungsberichte und Privatmittheilungen über den Verlauf der in den Kreisversammlungen gepflogenen Verhandlungen bekannt worden ist, zusammen. Die Versammlung des Untermainkreises (Hauptstadt Würzburg) nahm ihren Anfang am 25. Jan. unter dem Vorsitze des Negierungscommissärs v. v. Moy. Der Kreis hat nur zwei Rabbiner, Hrn. Abraham Bing in Würzburg und Hrn. Neuburger in Aschaffenburg; um jedoch die Anzahl der geistlichen Mitglieder nicht in einer zu unverhältnißmäßigen Minderzahl gegen die der Lehrer (50) und der Gemeindeabgeordneten (60) zu lassen, berief die Negierung auch neun geprüfte Nabbinatscandidaten des Kreises dazu. Diese Maßregel verdientvollkommene Zustimmung, da man von solchen jungen Männern, wenn ihnen auch die Amtscrfahrung abgeht, doch Einsicht und — Frcimuth erwarten durste. Als gewandter Redner zeichnete sich Hr. Rabbiner Neuburger aus, der auch die Eröffnungsrede des Reg« Cvmmiss. sogleich beantwortete. Hier wie an andern Orten wurden die im Nescripte hezeichneten Hauptfragepunkte näher von Seiten des Reg. Commissi bezeichnet und in einzelne darin enthaltene Fragen zerlegt. Es sollen u. A. auch die Fragen ^'gekommen sein: ob jüdischen Staatsdieneru am Sabbathe das Schreiben erlaubt sei, welche Bücher der Zsraclite als Quelle der Tradition betrachte, besonders, was vom Thalmud zu halten sei, selbst auch, ob der Sabbath auf den Sonntag verlegt werden könne, ob' der Zsraclite die in dem Pentateuch oft angcdcutete Dreieinigkeit kenne und bekenne? Die Antworten über die eigentlich religiösen Fragen in dieser Versammlung sind noch nicht gehörig bekannt; nur verlautet, daß der verwerfliche Antrag, und zwar von einer Seite her, wo man ihn nicht hätte erwarten sollen, gemacht worden sei, deu Kirchenbann wieder cinzuführcn und so den Rabbinern eine geistliche Gewalt zu sichern.