Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- Baiern, Israelitische Kreisversammlungen [Nachricht]
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Nachrichten. den Juden nicht den gleichen Tag der wöchentlichen Feier zu haben, dieselbe auf den Sonntag verlegte: beachtet man dabei gar nicht, wie schwer es einer Glaubensgemeinde sein muß, der andern geradezu in einem wichtigen Punkte nachzugeben, ohne daß ein inneres religiöses Bedürfniß eS gebietet, und wie ferner die Weihe der Feste gerade in ihrem Alter besteht und ein neues keine Wurzel in den Gemüthern hat. Man hat für ersteren Grund schon längst das Begehren, daß die Chri. sten in der Türkei den Freitag feiern sollten, zu Hülfe genommen, und scherzhaft den Vorschlag gemacht, Juden und Christen sollten sich für die Feier des Montags vereinige»; für letzteren Hingegen hat man gewiß die Erfahrung aus den Zeiten dev französischen Revolution nicht vergessen, wo die Decadenfeste in keinem sehr hohen Werthe standen, und, wie Gregoire erzählt, die Bauern ihre Feldarbeiten am Sonntage nicht Vornahmen, weil — ihre Ochsen es nicht gewohnt seien. — Besser wurde die Bedeutung dieser Versammlungen von Andern verstanden, die ihren Zweck weder in der Anregung bürgerlicher Besserstellung, noch in Versuchen zu Beguemlichkeitsrefor, men fanden, sondern in der Belebung des inner« Geistes unserer Religion, in der möglichsten Entfernung der Äeußerlichkeit im Allgemeinen und der einzelnen Aeußerlichkeiten, in welche sie verfallen und die den Geist erdrücken, dann aber auch zunächst für Baicrn in der wohlgeordneten Einrichtung der Nabbinate, Religionslehräniter, Cultusübungen, die gewissermaßen Träger, Verwalter und, Verbreiter des Geistes sind. Auch hier hatte man Besorgnisse , wenn man auf die Elemente der Versammlungen hin« sah, und ganz besonders wurde Vielen bei dem Gedanken bange, es möchte eine frühzeitige Stabilirung und daher Beengung entstehen. Aber auf der ander» Seite erwartete man dennoch mit Zuversicht, daß die mannichfachm Acußerungen und die gegenseitigen Anregungen nicht fruchtlos sein würden, und hatte das feste Zutrauen zu der Regierung, daß sie durch Bannnng nicht das llebel »och unheilbarer machen wolle, da die Airlegung einer Fessel gegen die Ueberzeugung nur «och größere Unbehaglichkeit erzeugen muß.