Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 7)
- Language
- German
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Briefe über Judenthum, von Ben Usiel. 357 kannte, spätere gleich trübe Zeiten dann glaubten wirklich kn unbefangener Befangenheit, daß es kn ihm liege, und wohl mag manches Bestreben in der Gegenwart nicht diese unschuldige Unbefangenheit an sich tragen und eine Nachweisung versuchen, daß was wirklich in ihn hinein getragen sei, blos aus ihm heraus geleitet worden. Aber ist Dies das wahre, einfache Judenthum? Ist Dies nicht vielmehr eine Befleckung desselben gewesen, und ist nicht ein solches Bestreben in unserer Zeit das verderbliche Bemühen, das Profane zu heiligen — ein fast vcrderblichers, als das andere, das Heilige zu profansten, weil das wahrhaft Heilige durch frivole Berührung wohl angehaucht wird, aber bald wieder diesen giftigen Hauch von seinem klaren Spiegel abwischt, wahrend die Erhebung des Profanen und seine Vermischung mit dem Heiligen dem blöden Blicke auch dieses verdächtigt? Gerade Dieses ist ja auch der Trieb, der kn den Reformbestrebungen unserer Zeit liegt, Reinigung und Läuterung, damit die Wahrheit in ihrem vollen Glanze strahle. Und warum verwirft unser Zweifler dieselben so geradezu? Freilich traurig genug ist es, daß in diesen Bestrebungen oft blos die nackte Ebenmachung und das Bequemlichkeitsstrebcn sich hervorthut, was niemals Grund von Reformen sein darf; aber sollte dem wirklich beunruhigten Gemüthe, das eine mehr geistige und gemächliche Nahrung sucht, als das Judenthum in seiner überkommenen Gestalt bietet, sollte diesem der tiefere Grund, der die ganze Zeit dazu drängt, nnd der tiefer eindringenden Geistern auch wohl klar werden mag, verborgen bleiben können? Freilich wer im Judenthume durchaus keine Ahnung findet von allen den Ideen, die den Menschen leiten sollen, wer das Judenthum in seiner jetzigen traurigen Verknöcherung als von Ewigkeit her betrachtet, und durch dieses dann sich auch irre führen läßt über den Geist, der cs eigentlich belebt hat und selbst noch in dieser Mißgestalt belebet: der kann wohl glauben, daß diese Versuche alle außerhalb des Judenthums stehn. Aber was berechtigt zur ersteren Annahme, und wie kann dem selbst ungeübten Forscherblicke das geschichtliche Werden, das, leider! nicht immer Fortschritt war, entgehn? Nein-