Mannheim
Compact Memory

Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1836-01-01 · Heft 2 · p. Seite 356

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1836
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1836-01-01
Page
Seite 356 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2929020-2929026-2929029-2930170--1105-2930388
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

356 , R e c e n s i o n e n. , zu ihr kann nie, soll me Religion, d. h. die Durchdringung und Weihung des Lebens von höher» Ansichten, von höher» Bestrebungen, führen. Und wir sollten im Ernste dem Juden« thilme zürnen, daß seine Bekenner seit einer so langen Zeit den härtesten Schicksalen unterworfen waren? und diese Bekenner, sollten sie wirklich nicht von innerer Kraft durchdrungen gewesen sein, die alles Aeußeren nicht blos spottet, sondern sich gerade noch im Kampfe mit ihm gehoben und glücklich fühlt? — Ist es wahr, daß des Menschen Bestimmung Vollkommenheit ist, so besteht doch diese gewiß nicht in dem Anhäufen von Kenntnissen und in dem Tüchtigmachen zu allerhand mechanischen stnd künstlerischen Fertigkeiten, sondern wohl in der Heranbildung zu Ideen, Kräftigung des Willens, Heiligung der Sitten und in der reinen Erkenntniß von den göttlichen Dingen, und zu Anderm soll ja die Religion gewiß nicht entwürdigt werden. Und da sollte man es dem Judenthume, dessen Grundsäulen die volle, klare Erkenntniß des einzigen, allwaltenden Gottes, die Bezeichnung aller Lebensschritte mit demHinblicke zu Gott und mit Milde ge, gen den Nächsten sind, — ihm sollte man es zum Vorwurfe machen, daß seine Bekenner sich nie in Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet haben, während sie, wenn sie nur frei athmen konnten, eilenden Laufes ihre andersglaubenden Zeitgenossen, die, durch Ruhe nnd großartigere Verhältnisse begünstigt, ihnen vorangeschritten waren, selbst hierin nachholten? — Aber die Lehre soll alles Dieses selbst verschulden. Und wieso denn? Dein Götzendienste sollen wir-entgegenkämpfen, auch von Denen, die ihm huldigen, und zwar in seinen sittenlosen Folgen huldigen, uns fern halten; aber darum auch —aller Verkehr mit den Zeitgenossen abgeschnitten, jede Bewegung «ach AußÄi gehemmt? Bewährt Dies die Geschichte, die Geschichte der Bi» bel vornehmlich, die Geschichte der Juden unter der Herrschaft der Araber in Spanien, die Gegenwart? Die Lehre versagte eine freie Forschung? Wo ist denn je unter uns ein Glaubenszwang aufgestellt, wo ist je die Wissenschaft verpönt, die Kunst geächtet worden? Freilich trübe Zeiten verkehrten den Geist und trugen in den Glauben hinein, was er nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.