Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe über Judenthum, von Ben Usiel. 355 verantworten, daß wir über so wichtige Punkte von dem trefflichen, hochbegabten Manne ziemlich leer an Belehrung ausgehen. Oder wäre es wirklich wahr, daß er die Verbindlichkeit anerkannt habe und dennoch die Klage nicht unterdrücken konnte? Der müßte schlecht das menschliche Herz kennen, der einen solchen Widerspruch in solcher Unversöhntheit in ihm sich denken könnte; was als Verpflichtung und innerste Ueberzeugung göttlicher Abkunft und daher Heiligkeit im Herzen lebet, begründet ja eben die vollste Seligkeit, und jedes äußere Hinderniß schwindet vor dem Bewußtsein, gottgefällig zu leben; da ist schon eine so freie, außerhalbstehende Verzweiflung gar nicht mehr möglich und die Beruhigung bei jedem leisen Auftauchen der Unzufriedenheit nahe, sei es auf die eine oder andere Weise. — Aber wir verrücken vielleicht den Standpunkt unseres Zweiflers. Die Religion ist ihm Herzenssache; findet er eine Religion in ihrer positiven Gestaltung, die ganz seinen menschlichen Bedürfnissen, seinen edleren gemüthlichen und geistigen, entspricht, während sie den körperlichen nicht widerspricht, so ist ihm ihr Inhalt Bürge für ihre Wahrheit, wenigstens — giebt er sich ihr willig hin. Wir könnten es dann begreifen, daß er weder eine Begründung der Gültigkeit der Religion Verlangt, noch auch in demJudenthume selbst zwischen seinen verschiedenen Gestaltungen, oder gar zwischen dem es beherrschenken Geiste und der zeitlichen Darstellung scheidet. Wir haben also einen Mann vor uns, dessen gemächliche Anforderungen zu befriedigen sind, ohne daß er von dem Standpunkte der strengem Untersuchung aus streitet. Wir wollen uns den Gegner gefallen lassen, wollen gerne mit diesem cdeln Gemüthe verkehren und in dieser Weise uns auch seine Zweifel vorführen; vielleicht versöhnen wir uns mit ihm nnd ihn mit dem Judenthume. Ist es wahr, daß des Menschen Bestimmung Glückseligkeit ist, so besteht diese doch wohl nur in der innern Herzensfreude und Herzensruhe, die sich über äußere Widerwärtigkeiten zu erheben weiß; die volle äußere Behaglichkeit ist keinem Menschen vergönnt, sie vermag auch nie die inneren Bedürfnisse , die laut jedes edlere Herz mahnen, zu befriedigen, nnd 23