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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1836-01-01 · Heft 2 · p. Seite 298

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1836
Issue
Heft 2
Article
Der Grundzug der Liebe und dessen Entwickelung im Judenthum
Date
1836-01-01
Page
Seite 298 (sequence 14)
Language
German
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298 V. Der Grundzug der Liebe eine gewisse Zeit bleibt, später aber Lüge wird, offenbaren kann, aber doch die spätere als eine neu hinzukommende, eine die erste selbst erweiternde und in sich ausnehmende zulässige Wahrheit sein kann. Es ist zwar keinem Zweifel unterworfen , daß die Gottheit diese letzte, alle frühem Wahrheiten in sich schließende, zusammenfassende Wahrheit gleich Anfangs hätte offenbaren können; allein die Creatur ist, um mich mit Philo auszudrücken, nicht so geeignet zur Aufnahme der Wohlthaten, wie der Schöpfer, sie auszutheilen*). Auch, möchte man sagen, herrschet ') De Nunäi oxik. o-v o Axog ev nwLLup, v^7co ö ei) Dieser vortreffliche Ausspruch Philo's ist wohl auch die beßte Widerlegung des Einwurfs, den man oft gegen eine Offenbarung überhaupt machen hört: daß nämlich die Gottheit ihr Geschöpf gleich Anfangs mit allen nöthigen Lehren habe ausrüsten müssen — aber auch können? war der neugeschaffene Mensch, das Menschenkind, so geschickt'zur Auffassung Dessen, was ihm doch offenbar werden sollte, wie die Menschheit in ihrem Mann es alter? Denn die weitere Entgegnung, daß das höchste vollkommene Wesen ein von ihm hervorgebrachtes Geschöpf gleich Anfangs auch hätte so vollkommen schaffen müssen, daß es gar keiner Offenbarungen bedurfte, oder diese doch in ihrem letzten, höchsten Zwecke hätte fassen können, Dies kann nur die Frage eines Optimismus sein, der dem Schöpfer gerne die Muster zu seiner Schöpfung vortegeu möchte, und hat in diesem längst seine Widerlegung gefunden. Auch ist, was wir hier, um Mißverständnissen vorzubeugen, erinnern müssen, mit einer solchen stufenweise fortschreitenden Entwickelung, keine neue Offenbarung als noLhwendig begründet, was man in neuerer Zeit dem Christenthum zur Stütze unterlegen wollte; denn außerdem daß man das Christenthum dann nur als entwickeltes Judenthum, das dieses völlig in sich ausgenommen, nicht negirt hätte, annehmen müßte, was nicht blos von Juden, wie die gefeiertesten Theologen offen als ihre Lehre bekannt haben, Wider-

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