Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Grundzug der Liebe und dessen Entwickelung im Judenthum
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 10)
- Language
- German
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294 V. Der Grundzug der Liebe eine Weise verbunden erscheinen, daß sie als das schönste sichtbare Bild der Gottesoffenbarung gleichsam in einem bestimmten Rahmen uns vorgestellt werden« Auf Weisheit, dieser Grundlage der Gerechtigkeit, ist die Natur gegründet: „Mich, spricht die Weisheit (Spr. 8, 22 ff.), hat der Herr gebildet als Anfang seiner Wege; vor allen seinen Werken war ich schon da. Mich hat er eingesetzt von Ewigkeit, von Anfang vor der Erde., Da die Tiefen noch nicht waren, wurde ich gezeuget, da die Duellen noch nicht Wasser sprudelten"; die Weisheit auch ist die Grundlage, das principale Element in der Religion. In der Natur aber ist diese Urwerkmeisterin Weisheit zugleich „das spielende Kind" vor dem ernsten Vater, wie sie dort in der Religion die Liebe stets zur Begleiterin hat. Wenn wir daher auf der einen Seite dem Ausspruche des alten Hillel: „was dir nicht lieb ist, bas thue auch deinem Nächsten nicht, das ist das ganze Gesetz, das Uebrige nur Erklärung", nicht beipflichten können, da auf diese Weise die Religion, die allerdings tief das Gemüth berührt, zu einer blosen und noch dazu negativen, Verstandesthätt'gkeit herabgesetzt werden möchte: so müssen wir auf der andern Seite der Manier mancher neueren jüdischen Theologen, die einer Gefühlstheorie huldigend, diese auch auf das Judenthum propfen und dessen einzigen Factor nur im Gemüthe finden möchten, nicht minder widersprechen. Nur dann, wenn die Liebe, dieser gemächliche Factor, als das Princip der Religion angenommenwird, kann das Gemüth, das Gefühl als demonstratives, selbst causatives Princip gelten; ist aber, wie wirnach- Kwiesen, die Liebe nur gewissermaßen das assistirenve Ele-