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Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie · 1836-01-01 · Heft 2 · p. Seite 292

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Journal
Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
Volume
1836
Issue
Heft 2
Article
Der Grundzug der Liebe und dessen Entwickelung im Judenthum
Date
1836-01-01
Page
Seite 292 (sequence 8)
Language
German
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292 V. Der Grundzug der Liebe kein Princip in ihm sei, aber doch die Gerechtigkeit immer begleitet — und dies nennen wir den Grundzug des Judenthums, der den Grund, das Princip desselben gleichsam durchzieht. — Nicht wird, wie es die strenge Gerechtigkeit fordern könnte, die Schuld mit eiserner Strenge geahndet, sondern es waltet die Barmherzigkeit und die Langmuth, welche die Gerechtigkeit und Wahrheit begleiten*), die gerne dem reuigen Sünder verzeihn, und ihn in ihre Liebe wieder aufnchmen. „Gottes Güte geht nicht zu Ende, seine Vaterhuld vorüber nicht." „Gott ist langmüthig, sagt der Talmud, dem Bösen wie dem Guten **). So sehr demnach die strenge Gerechtigkeit von dem Grundzuge der Liebe gemildert wird, so wird sie durch ihn dennoch nicht zerstört, und der Sünder nur dann in Gnade wieder ausgenommen, wenn er sich wirklich gebessert hat, wie auf der andern Seite der Fromme, nur eben so lange er wirklich fromm geblieben, ausgezeichnet wird, und beweiset das Judenthum eben damit, daß die Liebe nicht das Princip ist, das es beherrscht, sondern immer wieder die Gerechtigkeit, jener nur die Begleitung, die Milverung gestattend. Kränkelnde Ueberspannung, hinschmelzende Zärte, die nur Liebe kennt, schwärmerische Gemächlichkeit und empfindende Schwärmerei, die hier den Sünder ganz ohne Grund, blos weil sie in Liebe seiner gedenkt, in Gnade wieder *) »NOM ION Oll **) Erudui 22, a vgl. Tosaphoth daselbst mit Eemara Sanhedrin 411, a. , woraus hervorgeht, daß diese Langmuth dem Frevler werde, damit er sich bessere, und so der Strafe, welche die strenge, ungemilderte Gerechtigkeit sofort an ihm vollziehn ließe, entgehn könne, es. Naschi 2 Mos. iVt, 6.

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