Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Grundzug der Liebe und dessen Entwickelung im Judenthum
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 5)
- Language
- German
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und dessen Entwickelung im Judenthume. 289 Aufgabe bestimmt ins Äuge zu fassen. Nicht ohne Absicht haben wir den Ausdruck Grundzug der Liebe gewählt; wir wollten damit sogleich andeuten, daß wir die Liebe nur als dm begleitenden Charakter, nicht aber, wie Manche, als das einzige Fundament, als das Princip unserer Religion ansehn, und nur als solchen sie nachzuweisen uns bemühen. Unter Princip versteht man die höchste Wahrheit in irgend einem organisch zusammengehörigen Ganzen, aus welcher alle andern dahin gehörigen Wahrheiten, wie die Glieder des lebendigen Körpers aus dem Herzen, das Lebensblut saugen müssen. Grundzug dagegen nennen wir den begleitenden Charakter, welcher der Totalität des Geistes, wie allerdings auch der einzelnen Wahrheiten, die dieser Geist ausspricht, wie das Siegel, das ihre Herkunft bekundet, ausgedrückt ist. Nun aber können wir die Liebe als Princip der Religion überhaupt nicht gelten lassen. Die Liebe herrscht, ihrer Natur nach, blind; wo sie herrschet, läßt sie ferner keine strenge Untersuchung zu, da sie schon im Voraus gegen jeden Anstoß, den diese finden könnte, gewaffnet ist: sie ist Sache des Herzens und fragt nicht nach den strengen Partitionen, in die der Verstand spaltet, und sie kann daher besonders im Judenthume, das seinen Anhängern kein blindes orsäs befiehlt, vielmehr im Gegentheile die Untersuchung der höchsten Wahrheiten, welche die Religion lehrt, zur strengen Pflicht macht, das Princip der Religion nicht bilden. Und so finden wir cs auch ausgesprochen in dem Schriftthume des jüdischen Religionswesens. Gerechtigkeit, die sich der Untersuchung unterziehen darf, wird hier deutlich als das Princip der Religion ausgesprochen. So heißt es5 Mos.32,4: „DerSchö- 19