Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Beurtheilung des Talmuds
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2929020-2929026-2929029-2930166--1012-2930299- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
IV. Beiträge zur Beurteilung des Talmuds» 267 liche in der Geschichte der Juden des Hrn. v. Jost zu lesen ist. Die palästinische Akademie arbeitete frühzeitig an einem Commentare der Mischnah, der von R. Jochanan schon 90 Jahre nach der Erscheinung der Mischnah geliefert wurde, aber sowohl dem Inhalte als dein Umfange nach, den babylonischen Akademieen nicht genügen mochte. Ueberhaupt fingen jetzt wieder die zwei Hauptschulen an, sich in ihren Richtungen merklich von einanoer zu unterscheiden. Die Babylonier sahen in dem Forschen über die Einzelheiten des Gesetzes nicht blos ein Mittel zur Erkenntniß des göttlichen Willens, sondern einen selbstständigen Zweck, eine Handlung von unübersteiglicher Verdienstlichkeit und vertieften sich daher bei jeder einzelnen Untersuchung, sie mochte eine praktische Anwendbarkeit haben oder nicht, so sehr, daß sich oft der Faden der Ideen gänzlich verlor und die Diskussion häufig sogar auf fremdartige Materien moralischer und physischer ^Ratur leitete, die unter der Benennung Agadah einen Pestandtheil des babylonischen Talmuds bilden. Die Palästinienser hingegen sahen mehr auf eine positive Ergründung des Gesetzes und äußerten gegen Spitzfindigkeiten der Babylonier einen entscheidenden Widerwillen, so daß R. Sira hundert Tage fastete, um zu erwirken, daß der babylonische Talmud seinem Gedächtnisse entschwinde (Baba Mezia 85 u). Auch sagte man in Palästina, der Name Babel (Verwirrung) erinnere daran, daß man dort verwirrt sei in Bibel, Mischnah und Talmud (Sanhedr. 24 a.). Besonders warf man den Babyloniern vor , daß es in ihren Hörsälm äußerst stürmisch Hergänge, und daß sich die Jünger sehr unfreundlich gegen einander benähmen, und R. Jeremiah, welcher selbst Dies