Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Beurtheilung des Talmuds
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 11)
- Language
- German
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IV. Beiträge zur Beurtheilung des Talmuds. 265 Bücher zu verstehn, als Siphri, Siphra, Thosephtha re., welche Bücher fast dieselbe Autorität wie der eigentliche Talmud genießen, und über welche man sich nähere bibliographische Auskunft in dem gelehrten Werke des Herrn D. Zunz: die gottesdienstlichen Vorträge der Juden us. w. verschaffen kann. Vis ungefähr 150 Jahre nach der Zerstörung des zweiten Tempels scheint kein einziges Werk zur Erläuterung des Pentateuchs und des mosaischen Gesetzes ans Licht getreten zu sein, obgleich die Hauptlehrer der Akademien zu ihrem eignen Gebrauche nicht unterlassen haben, sich die ihnen mündlich ertheilten Belehrungen in geheim gehaltenen Schriften (Megilloth setharim) aufzuzeichnen. Man hatte den Grundsatz, die mündliche Lehre dürfte nicht schriftlich und die schriftliche dürste nicht mündlich gelehrt werden, welchen Grundsatz man auch aus der Stelle Erod. 34, 27 herzuleiren suchte (Gittin, 60 d). Indessen stellten sich die Nachtheile, welche der Mangel einer schriftlichen Urkunde für jede Lehrdisciplin hat, sehr bald ein. Schon unter den ältesten Vorstehern des Sanhedrins entstanden Meinungsverschiedenheiten über einzelne Punkte des Tempelrituals (Mischnah Chagigah II, 1), und mit jeder Generation vermehrten sich die Zweifel. Dazu kam nun die Zerstörung Jerusalems, die immer sich weiter verbreitende Zerstreuung der Juden, die Hemmungen in der Ausübung des mosaischen Gesetzes von Seite der Römer und der dadurch erfolgte Verfall der palästinischen Akademien, und es trat die Besorgniß ein, durch diese mißlichen Verhältnisse möchte die mündliche Lehre gänzlich in Vergessenheit kommen oder wenigstens sehr verfälscht werden. R. Jehudah, der heilige genannt, in Uebereinstimmung mit den Schriftgelehrten seines Zeit-