Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Beurtheilung des Talmuds
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 10)
- Language
- German
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264 IV. Beiträge zur Beurthellung des Talmuds. Volkes gefeiert worden, und dabei war man so wenig auf die Feier gefaßt, daß sie für das ganze Volk auf einen Monat verschoben werden mußte und dessen ungeachtet fast vier ganze Stämme die ritualmäßig vorgeschriebenen Reinigungen vernachlässigten. Vom Laubhüttenfeste wird Nehemias 8, 17 ausdrücklich gesagt, daß es von Josua bis Esra, also in einem Zeiträume von mehr als 900 Jahren, nicht gehörig gefeiert worden sek. Desto regelmäßiger scheint der Neumondtag gefeiert worden zu sein, sowie immer, wenn von Festtagen überhaupt die Rede ist, nur des Sabbqths und der Neumondtage erwähnt wird. Selbst den heiligen und ehrwürdigen Versöhnungstag scheint, wie sich aus manchen Umständen schließen läßt, das Volk in seiner Unwissenheit nicht gehörig beachtet zu haben. Auch die Sabbathruhe war zu Esra's Zeiten so sehr in Verfall gekommen, daß man verbieten mußte, am Sabbath Lebensmittel nach Jerusalem zum Verkaufe zu bringen. Wie läßt es sich nun erklären, daß die Propheten in ihren Feuerreden sich so wenig auf die Einschärfung der Ceremonialgesetze einließen, da sie doch , als Fortleiter der Tradition, die lalmudische Casuistik zu ihrer Lebensbeschaftigung machen mußten? Wir bekennen es, daß wir diese Frage auf keine Weise befriedigend zu beantworten wissen. VI. Der Talmud ist für uns die Hauptguelle der mündlich überlieferten Lehre. Das Wort Talmud ist hier, so wie in allen unfern Untersuchungen in einem weitern Sinne zu nehmen und nicht hlos die Mijchnah mit der babylonischen und der hierosolymitankschen Gemara, sondern auch die andern von den babylonischen und palästinischen Akademien ausgegangenen