Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur Beurtheilung des Talmuds
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 9)
- Language
- German
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IV. Beiträge zur Beurtheilung des Talmuds. 263 Sollte Per Talmud wirklich meinen, daß die Könige, Priester, Propheten und Feldherrn in der ersten Tempelperiode sich mit den kasuistischen Untersuchungen befaßten, welche die Akademien zu Sura und Pumbeditha beschäftigten? Er müßte dann nicht blos im Besitze einer traditionellen Lehre, sondern auch im Besitze einer traditionellen Geschichte gewesen sein, die eine ganz andere Physiognomie darbot, als die, welche uns die h. S. überliefert. Schon der Umstand, daß erst unter dem Könige Josias (2. Kön. 22, 8. ff. 2. Chron. 34, 15 ff.) der Pentateuch durch den glücklichen Eifer des Priesters Hilkias aus dem Dunkel hervorgezogen wurde, indem er bis dahin verborgen lag, wäre geeignet, hier Zweifel zu erregen. Wenn wir aber auch auf diese T Hatsache kein sehr großes Gewichr legen und annehmen wollen, daß Schulen und Volksleben den Mangel des geschriebenen Textes ersetzten, so geht doch wenigstens Das daraus hervor, daß selbst der so fromme König Josias kn seinen 18 ersten Regierunsjahren nicht an die Erfüllung des mosaischen Gebotes Deuteron. 31, 10 ff. gedacht zu haben scheint, nach welchem nach jedem Sabbatjahre, am Laubhüttenfeste, dem versammelten Volke aus dem Gesetzbuche vorgelesen werden soll, und zwar nach dem Talmud (Mischnah Sotah, VII, 6), durch den König selbst und gerade diejenigen Stellen, die auf Josias einen so tief erschütternden Eindruck gemacht haben. Von der Beobachtung der meisten mosaischen Gebote findet man in den Propheten und den historischen Büchern der h. S. keine Spur. Von dem Pesachfest heißt es (2. Chron., 30), es sei unter dem frommen Hiskias nur auf besondere Veranstaltungen mit großer Theilnahme von Seite des