Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 2
- Article
- Über die Abschaffung bestehender Gebräuche
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 13)
- Language
- German
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238 II. Ueber die Abschaffung der Art, Behufs der Gesetzesbefestkgung, von jeder Neligionsbehö rde suspendirt werden mögen. Denn wer könnte es leugnen, daß das Uebermaß von Gebräuchen, welche störend Ln den bürgerlichen und geselligen Verkehr unserer Glaubensgenossen mit Nichtjuden eingreifen, oder ihren heutigen Bedürfnissen und Begriffen hinsichtlich des Gottesdienstes und der Erbauung nicht Zusagen, verursache, daß sich gar Viele von einem dieser Gebräuche nach dem andern abwenden, und Solches thun, ohne des Zieles und der Grenzen der gesetzlich etwa zulässigen Lossagung sich bewußt zu sein, blos aus Nachahmung und falscher Scham, oder durch ihre Verhältnisse und Berührungen gezwungen? Wie aber der Unkundige, der die Umzäunungs- und andern Gebräuche und Religionsübungen alle auf eine Linie stellt, einmal aus eigener Entscheidung sich über einen Punkt dieser Linie hinwegsetzt, so überspringt er bald auch die wichtigem Punkte und die ganze Linie, und es ist unbestritten hierin ein Anfang mit zur kirchlichen und religiösen Gleichgültigkeit, zum Jndifferentismus. Wohl mögen, namentlich die Umzäunungs- und Vorbeugungsgebote, zur Bewahrung der Idee und des Kerns des Judenthums ihre guten Dienste geleistet haben, und bei Vielen noch leisten: aber zu einer Zeit und in Verhältnissen, wo jeden Augenblick jene Gebote den Broderwerb, die Theilnahme am öffentlichen Leben, den Genuß, die Nachahmung, die freiere Wirksamkeit und jede Bewegung fast hindern und fesseln, da sind sie nicht mehr stark genug jene Schutzmauern, den gewaltigen Wiverstoß des Zeitbedürfniffes auszuhalten, und, nicht mehr unterstützt von einer ehemaligen Allgewalt des Glaubens und der