Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 1
- Article
- Wiesbaden
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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266 N a ch r s ch t e w. zen unwürdig zeigen, wenn sie bei irgend einer tyeologischen Ueberlieferung, einem wissenschaftlich und kirchlich Gegebenen schlechthin stehen bleiben ... wollte. Die, welche einmal aus diesen Formen mit guter Ueberzeugung nicht mehr heraus können, mögen dabei verharren; aber die ganze große Zeit- und Lebensentwickelung kann in dieselben nicht gebannt bleiben. Die Theologie und Kirche im Großen muß aus dieser Zerrissenheit heraus und sich eine andere, entsprechendere Gestalt schaffen. Zum Alten in alter Form können wir nicht wieder zurück; rin Gewand, das der Geist abgelegt hat, zieht er nicht wieder an; er ist unerschöpflich, sich neue Formen zu bilden, aber er thut es als menschlicher Geist, immer nur aus! gegebenem Stoffe, in geschichtlicher Continuität, nicht absolut hervorbringcnd, sondern aus gewissen Grundlagen hcrvvrbil-, dend- Unsere Aufgabe kann also nur sein, das Aechte und Erprobte aus dem Alten uns anzueignen und aus diesen Materialien einen frischen Bau aufzuführen in einem schöneren und höheren Style... — Drn Theologen unserer Zeit kann wohl eine Sehnsucht anwandeln nach jener, sonst minder anziehenden, Vergangenheit, wo bei einem überlieferten, streng abgeschlossenen Systeme Einheit und Festigkeit in der Kirche herrschten und ... nicht ... die ganze Auffassung des religiösen Lebens in Frage gestellt war. Solche Sehnsucht aber, wollte mau sich ihr hingeben, wäre weichlich und vergeblich;, dem Zwiespalte, wenn er einmal ins geistige Leben eingetreteu ist , kann man sich'nicht entziehen, man geht darin unter oder muß hindurch zum höher» Frieden. Auch der Kampf hat etwas Schönes und Erhebendes und ist unentbehrlich in der Entwickelung des Ganzen; nur ist er nicht eigentlich da um sein selbst willen, er dient zur Erziehung und Kräftigung des Geistes und soll zu einem bestimmten Ziele hinführen, zur rechten Einigung. In einem solchen Geisteskricge sind wir gegenwärtig noch begriffen; wir leben offenbar in einem Zeitalter der Krisis und des Uebergangcs, aber vielleicht schon in einem spätem Stadium desselben. Die Resultate liegen noch nicht zu Tage, aber sie können nicht ausbleiben und beginnen schon