Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 1
- Article
- Wiesbaden
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 5)
- Language
- German
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203 Nach r i ch t e n. des Schriftstellers am Besten erkannt, was doch der eigentlich wissenschaftliche Zweck einer Übersetzung sein muß. Aber abgesehen davon, daß man sich dadurch auch verleiten läßt, der deutschen Sprache Gewalt anzuthun, scheint uns gerade der angegebene Zweck hiedurch verfehlt zu werden, wofür wir blos zwei Bedenken aussprechen wollen. Zuerst versetzt den Leser das Geschraubte, das die Nachbildung der, unscrm Ohre ganz ungewöhnlichen, aber in' der Grundsprache gewöhnlichen, Eonstructionen hervorbringt, nicht nur in Mißbehagen, sondern auch in die falsche Ansicht theils, daß die Sprache an und für sich wirklich etwas Geziertes und Ungelenkes an sich habe, Heils daß gerade diese, oft ganz einfachen, Stellen von besonderm Nachdrucke sein sollten. Das Zweite aber ist , daß bei poetischen Schriften der freie ästhetische Genuß durch jenes Einzwängen ganz verloren geht, indem unsere Sprache blos die Nachbildung fremder Ekgenthümlichkeiten ertragen und, wenn die Form zum Theile ihrem eigenen Genius angepaßt ist, den fremden ahnen lassen, aber niemals sich so ganz der fremden Sprache assimiliren kann, daß bei der Beibehaltung von deren Formen auch das Künstlerisch-schöne gefühlt werden kann oder gar die klare Anschauung von der dichterischen Würde des Schriftstellers möglich wird. Die Gränzen jedoch nun zwischen der nothwendigen Treue und der nicht minder nothwendigcn Anbeqnemung an den Geist unserer Sprache und ferner dem Versuche, durch mehr selbstständige Wiedergabe des Poetischen, den Geist des Schriftstellers, etwas entfesselt von der Form der Tertsprache, durch die für die Ucbersetzungssprache geeigneter» und daher von dem Uebersetzer zu wählenden Formen durchwehen zu lassen, — diese Gränzen vermag nur der fein gebildete Geschmack sicher zu ziehen, und hier eben verfährt Umbreit mit vieler Umsicht und geschicktem Tacte, sowohl in seinem Urtheile über andere Uebcrsetzungen als in eignen Versuchen, von denen er auch hier eine Uebersetzung der zwölf ersten Cap. des Jesaias 'vorlegt. Zwar können wir hier nicht allen Uebersetzungcn untern Beifall schenken oder alle zu Grunde liegenden Erklärungen billigen; nur ist hier der Oec