Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 1
- Article
- Gießen
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
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174 Nachrichten. hebräischer Sprache allein oder doch eher denn in jeder anderen von Gott erhört werde; achtet ihr religiöses Gemüth nichts desto weniger die hebr. Sprache höher und findet sie vorzugsweise geeignet zu seiner Unterhaltung mit Gott, weil sie die heilige Sprache ist, di. weil in ihr die heiligen Urkunden abgefaßt sind, weil in ihr — um menschlich zu reden — Gott mit den Propheten gesprochen hat, weil sie von jeher, auch dann noch, als die Volkssprache die chaldäische oder syrische oder rabbinische war, die Sprache des Gebetes gewesen, weil in ihr ein vorzügliches Mittel zur Bewahrung der geistigen Einheit der Synagoge liegen soll u. s. w. u. s. w. Und so kann man mit Bestimmtheit annehmen, daß jeder Versuch zur Umgestaltung des hebräischen Cultus in einen deutschen fast ohne Ausnahme in allen jüdischen Gemeinden den heftigsten Widerstand finden und nothwendig scheitern würde. Was aber von dem hebr. Cultus im Ganzen, gilt auch von seinen einzelnen Theilen, gilt auch für jedes seiner einzelnen Jebetstückc, gilt um so mehr von solchen Gebetstücken, zu deren Verrichtung der Jsraelite sich religiös verpflichtet hält, je älter und wichtiger ein solches Gebetstück ist, in je höherem, kanonischem Ansehen es bei den Gläubigen steht, wie z. B. das Schcmone Esre, die Birchoih Haschschachar: um so weniger werden sich die Gemeinden zur Verwechslung der hebr. Sprache mit der deutschen bereit finden lassen. Ja, ich behaupte geradezu , daß, bei den herrschenden religiösen Ansichren diese vorzugsweise hochgehaltencn Gebetstücke, durch eine solche Vertauschung der Sprache außerordentlich viel von ihrer alten kirchlichen Autorität, von ihrem positiven Werthe und somit von ihrer segensvollen Wirkung auf das Gemüth und die Willenskraft der Betenden verlieren würden. Achnlichcs Schicksal würde das alte, kräftige, inhaltreiche und nicht minder in hohem kanonischem Ansehen stehende Gebet für den Landesherrn haben; es würde durch den Gebrauch der deutschen Sprache bedeutend viel von seiner Kirchlichkeit, von seiner dogmatischen Geltung und daher auch von seinem religiösen Einflüsse auf die Gemüther der Andächtige» entbehren.