Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Baiern
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
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139 Na ch r i ch t e n. nimmt. — Ich sage nun: bei dm Israeliten in Baiern gewinnt das Streben nach einer lichtem Form in religiösen Dingen mehr und mehr an Umfang, und es verdient diese Empfänglichkeit um so mehr Anerkennung, je stärker die Repulflvkräfte waren, die diesem Streben entgegen wirkten. Denn wohl in keinem Staate Deutschlands bat tzer altrabbinische Einfluß mit besserem Erfolge gegen die Mendelsohnische Lehre und Schule, gesegneten Andenkens, gekämpft, ass tzi Baiern, wo es ihm bis fast vyr zehn Jahren gelungen, die Jugend auf sogenannten jüdischen Hochschulen zu versammeln, zu dominiren und von jeder Bekanntschaft mit nützlichen Kenntnissen und Wissenschaften abzuhalten. Wie mächtig mußte unter solchen Umständen der Perfectibilitätstrieb sein, wenn er jene felsige Starrheit des absoluten Stehenbleibens, die im Judenthume seit Jahrhunderten Gesetz war, durchbrechen und dem Gedanken Bahn machen sollte, daß auch das religiöse Leben, wenn auch nicht in seinem Wesen, so doch in seinen äußern Beziehungen, einer Metamorphose unterworfen sei! Und doch ist es, von Staatsgesetzen begünstigt, durchgedrungen und hat Anstalten und Formen ins Leben gerufen, die, eben weil sie nicht unmittelbar mit den bestehenden Ansichten und Vorurtheilen in Widerspruch stehen, desto sicherer und durchgreifender wirken. Wir haben bereits, in Folge dieser Anstalten, gut eingerichtete Religionsschulen mit fähigen, in Seminarien gebildeten Lehrern, manchen wissenschaftlich gebildeten und praktisch tüchtigen Rabbiner, nebst der gesetzlichen Bestimmung, daß Jeder, der sich, diesem Amte widmet, regelmäßige Studien zu machen habe. Hieraus bildet sich von selbst eine Umgestaltung, welche, das Product der Lehre und Ueberzeugung, mit dem langsamen, aber sichern Pulsschlage der Zeit fortgehet, und daher weniger einer Ncaction unterworfen ist, als jene äußere, zwar schneller zum Ziele führende, aber auch leicht das Ziel verfehlende und zum bitter» Kampfe anreizende Gewalt des Angriffs auf Alles, was vor dem Forum der Aufklärung nicht Rede stehen kann. — Es liegt in der Sache selbst, daß auch