Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Baiern
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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138 Nachrichten. strahlt und umstrahlen soll, nicht mehr leuchtet, wenn Vernunft und Ueberzeugung nicht mehr für gültige Normen und Kriterien der Religion gelten, sondern der Herrschaft anderer Autoritäten, sei es einer über Alles verbreiteten Tradition, sei es einem Alles sich anmaßenden Kirchendogmatismus, sei es einer blinden, den Geist verschmähenden Buchstäbelei, gänzlich unterworfen werden. Mag dabei diese Nacht immerhin ihre schönen Eigenschaften haben, mag in ihr mancher liebliche Stern glänzen — wie denn auch wirklich in Zeiten religiöser Verfinsterung gar manche Tugend hervorstrahlet, und überhaupt den Menschen mehr Wärme, Antheil und Liebe zu dem freilich unbekannten Gute inwohnt, die sich manchmal bis zur edlen, wenn auch schwärmerischen, Begeisterung steigert--: das Eine, was Noth thut, fehlet, Wh darum suchen wir uns ihr zu entreißen, und freuen uns des aubrechenden Tages und der aufgehenden Sonne. Denn die Sonne ist ja nicht blos das leuchtende, erhellende, sie ist auch das erwärmende, belebende, Kraft-verleihende Princip. Und so verlange ich auch, daß cs im religiösen Gebiete Tag sei, daß sich Jeder über seinen Glauben und über das, was er im Namen der Religion Lhut, Rechenschaft geben kann, und ihm Keiner die Frage, warum das? und wozu das? verarge, daß noch weniger irgend ein Unverstand, sei es als religiöse Lehre oder als religiöses Gebot, monopolisirt sei. Ueberzeugung, Erkenntniß ist und bleibt die Mutter wahrer Religiösität und darum Vernunft und Aufklärung die eoustliis siuv gu» neu. Aber — und ich bitte dieses Abc r nicht zu vergessen, denn es soll auch mit denen wieder aussöhnen, welchen das bisher Gesagte zu sehr «rach Nationalismus klingt — aber aus diesem lichten Kerne heraus entfalte sich dann jene ideelle Gem.üthsreligion, die den ganzen innern Menschen umfaßt und als ehrwürdige Anhänglichkeit am altväterlichen Glauben sich kund gibt, zwar die intellektuelle Erkenntniß stets zur Basis hat und nimmt, aber dennoch tiefer und fester wurzelt, indem sie die geschichtlichen Momente hinzufügt, und so das, was die Vernunft als Wahrheit lehret, durch Geschichte und Offenbarung als faktisch auft