Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Journal
- Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie
- Volume
- 1836
- Issue
- Heft 1
- Article
- Karäische Litteratur [Rezension]
- Date
- 1836-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
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Karäische Litteratur, 93 — fremde Colonisten Palästinas nach der Zerstörung des ersten Tempels, von den Assyrern dorthin gesetzt und aus Furcht die Landesreligion zum Lheile annehmend— adoptirten blos den Pentateuch, indem die andern schon damals vorhandenen, prophetischen und hagiographischen Schriften noch nicht in den Kanon eingereiht waren, dem sich später blos ein untergeschobenes Buch Josua zugesellte. Sie standen stets außerhalb der Synagoge und traten mit ihr nicht in andere, als feindliche Berührung, und zwar mehr politisch sie bekämpfend, oder von ihnen bekämpft, als Ln religiöser Fehde. Dies war überhaupt der überwiegende Charakter der Scctenstreitigkeiten, solange noch Israel zugleich eine selbstständige Volkstümlichkeit hatte, so daß auch Saducäer und Pharisäer mehr um die Behauptung der äußeren Macht als um gegenseitiges Ueberzeugen bemüht waren. Mit der Beraubung aller äußern Macht durch die Römer schwanden daher bald auch die Secten innerhalb der Synagoge, und die Pharisäer, die schon zuvor, theils durch ihre wirkliche Zeitgemäßhekt, theils durch ihre auch im Aeußern sich so vielfach kundgebende Frömmigkeit, die Mehrheit des Volkes für sich hatten, nahmen die andern alle in sich auf, und das Ansehn der Tradition, die bald der bedeutendste Differenzpunkt zwischen ihnen und den Saducäern geworden war, wurde befestigt und drang überall durch. Es scheint nun, daß namentlich die Spaltung, welche bald nach dem Entstehen des Islams in demselben hervorbrach, wiederum zu einer neuen Spaltung auch unter den Juden Veranlassung gab. Es wurde in jenem nämlich, wozu politische Gründe beigetragen hatten, die Frage angeregt, ob die auf Mohammed zurückge-